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Bienen auswintern und Frühjahrsdurchsicht: Imker-Guide 2026

4 bis 6 kg Futterreserve, Eier als Weiselprobe, Windeldiagnose über 2 bis 3 Wochen: So gelingt die Frühjahrsdurchsicht nach dem Auswintern.

Mit KI erstellt · Herausgeber: Sascha Ardeleanu ·
Imker hält eine Brutwabe zur Durchsicht in den Händen

Bienen auswintern heißt: am ersten warmen Tag im Frühjahr kurz kontrollieren, ob das Volk lebt, eine Königin hat und genug Futter besitzt. Halte 4 bis 6 kg Futterreserve vor, such nur bis zur ersten Brutwabe mit Eiern und lass die Beute schnell wieder zu. Die Außentemperatur liegt noch mehr als 15 °C unter der Brutnesttemperatur.

Wann sollte man Bienen auswintern und ab welcher Temperatur die erste Durchsicht machen?

Sobald es an einem sonnigen, windstillen Tag deutlich wärmer wird und die Bienen fliegen. Ein fester Kalendertermin hilft nicht, das Wetter entscheidet. Wichtig ist vor allem eins: schnell und überlegt arbeiten.

Der Grund steckt in der Physik der Beute. Die Bienen halten ihr Brutnest bei rund 35 °C. Der gemeinsame Infobrief mehrerer deutscher Bieneninstitute stellt nüchtern fest, dass die Außentemperatur bei der Frühjahrsdurchsicht auch bei sonnigem, warmem Wetter immer noch mehr als 15 °C geringer ist als die Brutnesttemperatur. Jede Minute mit offener Beute kühlt die Brut aus.

Daraus folgt die Faustregel für den ganzen Termin: kurz und knapp durchsehen. Du ziehst nicht jede Wabe ausgiebig und drehst sie nicht lange im Wind. Du klärst die wenigen wirklich wichtigen Fragen und machst die Beute wieder zu. Als grobe Orientierung reicht ein Tag, an dem die Bienen munter am Flugloch ein- und ausfliegen. Die oft genannte Grenze von etwa 10 bis 12 °C ist eine Faustregel aus der Praxis, kein Behördenwert.

Was du beim Auswintern klärst, sind genau vier Dinge: Lebt das Volk und hat es eine Königin? Wie stark ist es? Hat es genug Futter? Und wie steht es um die Varroa? Alles andere hat Zeit.

Woran erkenne ich, ob mein Volk nach dem Winter noch weiselrichtig ist?

Arbeite dich zur ersten Brutwabe vor. Findest du dort neben verdeckelter Brut auch Eier, weißt du, dass das Volk weiselrichtig ist, also eine Königin hat. Der Infobrief ist hier klar: Weitere Brutinspektion ist zu diesem Zeitpunkt kontraproduktiv. Du musst nicht das ganze Nest zerlegen.

Diese kleine Suche verrät dir mehr, als es zunächst scheint. Die Volksdurchsicht-Unterlagen der LWG Bayern führen auf, was du im Brutnest ablesen kannst:

  • Eier in den Zellen: Das Volk hat eine Königin.
  • Larven, aber keine Eier: Es hatte vor rund drei Tagen noch eine Königin.
  • Nur verdeckelte Arbeiterinnenbrut: Die letzte sichere Eiablage liegt etwa neun Tage zurück.
  • Mehrere Eier pro Zelle: Ein schlechtes Zeichen. Meist legen Arbeiterinnen, das Volk ist dann drohnenbrütig und weisellos.
  • Nachschaffungszellen: Die Königin ist plötzlich verloren gegangen, das Volk zieht sich Ersatz.

Ein Volk mit sauberer Arbeiterinnenbrut und Eiern ist gesund und du machst zu. Ein Volk mit Buckelbrut oder mehreren Eiern pro Zelle braucht dagegen eine Entscheidung. Wenn du die Grundlagen der Volksbeurteilung auffrischen willst, hilft dir der Beitrag Bienenvolk als Imker führen weiter.

Ein praktischer Effizienz-Trick der LWG spart Zeit und schont die Brut: Suche die erste Brutwabe von beiden Seiten des Nestes aus. Alle Waben, die dazwischen liegen, tragen dann ebenfalls Brut. Weiteres Nachschauen in der Mitte erübrigt sich.

Wie beurteile ich die Volksstärke im Frühjahr?

Du zählst die besetzten Wabengassen. Die Volksstärke ist nichts anderes als die Zahl der Gassen, in denen dicht Bienen sitzen, also die belagerten Wabengassen. Fang laut Infobrief in der unteren Zarge an und schätze daraus das Potenzial des Volkes.

Warum ist das so wichtig? Weil sich daran entscheidet, was du im Frühjahr mit dem Volk vorhast. Ein starkes Volk mit vielen besetzten Gassen taugt zum Honigvolk und kommt schwungvoll in die Frühtracht. Ein schwaches Volk kommt selten von allein auf die Beine. Hier lohnt es sich oft, das Volk im Mai zu Ablegern zu teilen, statt vergeblich auf eine große Honigernte zu hoffen.

Notiere die Zahl auf der Stockkarte. So siehst du beim nächsten Termin, ob das Volk wächst oder stehen bleibt. Ein Volk, das nach zwei bis drei Wochen kaum stärker geworden ist, hat meist ein Problem mit Königin, Futter oder Krankheit. Was ein Volk zu diesem Zeitpunkt im Jahr überhaupt leisten kann und wie die Wabengassen mit der Volksentwicklung zusammenhängen, erklärt der Grundlagen-Beitrag Bienenvolk als Imker führen.

Wie viel Futter braucht ein Volk jetzt noch, und was tun bei Futtermangel?

Das Verhungern im Frühjahr ist neben der Varroa die häufigste Verlustursache, dabei ist es leicht zu vermeiden. Der Infobrief gibt konkrete Zahlen: Halte eine Reserve von 4 bis 6 kg vor, das entspricht mindestens 2 bis 3 gut gefüllten Futterwaben. Weniger als 4 bis 5 kg sollten es ohnehin nie sein.

Rechne einfach weiter. Ein starkes Volk verbraucht im Frühjahr rund 1 kg Futter pro Woche. Bis Mitte Mai, also durch die kritische Aufbauphase, brauchst du deshalb mindestens 6 kg Vorrat. Diese Menge kontrollierst du beim Auswintern durch kurzes Anheben oder einen Blick auf die Randwaben. Fühlt sich die Beute leicht an oder sind die Futterkränze abgetragen, wird es eng.

Bei echtem Futtermangel gibst du eine Futterwabe aus dem Vorrat oder notfalls Futterteig direkt über das Wintersitz. Dünnes Zuckerwasser ist im kalten Frühjahr weniger geeignet, weil es die Bienen erst eindicken müssen und Feuchtigkeit in die Beute bringt.

Der umgekehrte Fall ist ebenso wichtig. Überschüssige, prall gefüllte Futterwaben nimmst du früh heraus, sobald das Volk wächst. An ihre Stelle setzt du Mittelwände oder einen Baurahmen. Das schafft Platz fürs Brutnest und beugt später dem Schwarmtrieb vor. Ein zugefüttertes, verhonigtes Brutnest engt die Königin ein und treibt das Volk früher in Schwarmstimmung.

Muss ich im Frühjahr schon auf Varroa kontrollieren und wie?

Ja, und zwar über den natürlichen Milbenfall, die Gemülldiagnose. Du legst eine Windel unter den Gitterboden und zählst nach einiger Zeit die heruntergefallenen Milben. Die Landwirtschaftskammern Österreichs beschreiben auf bienengesundheit.at eine Messdauer von etwa 2 Wochen, im zeitigen Frühjahr auch bis zu 3 Wochen.

Die Ableseintervalle richten sich nach der Jahreszeit. Von Oktober bis Februar liest du alle 7 bis maximal 14 Tage ab, von März bis September alle 3 bis maximal 7 Tage. Als Material brauchst du eine Windel für den Gitterboden, etwas Küchenrolle und rund 40 ml Speiseöl, damit die Milben haften bleiben und nicht von Ameisen weggetragen werden.

Ganz wichtig ist die Wahl der Methode. Puderzucker- und Auswaschmethode sind laut bienengesundheit.at erst ab Mitte Juli bis Oktober sinnvoll. Im Frühjahr sind schlicht zu wenige Bienen und Milben in der Probe, das Ergebnis wäre wertlos. Deshalb ist die Windel im Frühjahr das Mittel der Wahl.

Warum überhaupt zählen, wenn die Zahl doch niedrig sein sollte? Genau deshalb. Idealerweise hat die brutfreie Winterphase die Milbenvermehrung gestoppt und eine Restentmilbung im Winter sie weiter gedrückt. Mit dem Brutbeginn startet die Varroa aber neu durch. Die österreichische AGES hält fest, dass die Varroamilbe für einen großen Teil der Völkerzusammenbrüche im Herbst und Winter verantwortlich ist. Ein hoher Milbenfall im Frühjahr ist damit ein frühes Warnsignal für einen kritischen Sommerbefall. Wer früh sieht, dass die Milbe stark ist, kann rechtzeitig planen, wie er im Sommer eingreift und wann eine Wärmebehandlung sinnvoll ist.

Einen belastbaren Frühjahrs-Grenzwert für Milben pro Tag nennen die geprüften Quellen bewusst nicht. Werte aus dem Sommer oder Spätherbst lassen sich nicht aufs Frühjahr übertragen. Behandle die Zahl deshalb als Trend und Alarmsignal, nicht als starre Schadschwelle.

Was mache ich mit einem toten Volk und wie finde ich die Ursache heraus?

Verluste gehören zur Imkerei, verschweigen hilft niemandem. Der Infobrief empfiehlt, ausgefallene Völker ehrlich zu dokumentieren und anonym an die Auswinterungs-Umfrage der Institute zu melden. So entsteht das Bild, das allen Imkern hilft.

Praktisch schaust du das tote Volk gründlich durch und gleichst deine Beobachtungen mit den Aufzeichnungen auf der Stockkarte ab. War der Futterkranz leer und sitzen tote Bienen mit dem Kopf in den Zellen? Das deutet auf Verhungern. Findest du kleine, verkrüppelte Bienen und Kotspritzer, steht der Verdacht auf Varroa und Viren im Raum.

Wenn die Ursache unklar bleibt, hol dir Hilfe. Ein Bienensachverständiger unterstützt dich, und Waben oder tote Bienen werden in der Regel kostenlos in den Laboren des jeweiligen Bundeslandes untersucht. Das ist gerade für Anfänger ein starkes Angebot, das viele nicht kennen. Wer noch am Anfang steht, findet im Beitrag Imker werden für Anfänger die Grundlagen dazu.

Frühjahrsdurchsicht Schritt für Schritt: Was prüfe ich in welcher Reihenfolge?

Die LWG und der Infobrief folgen demselben Grundsatz: erst zügig zerlegen und beim Zusammenbauen kontrollieren. So bleibt die Beute nur kurz offen und die Brut kühlt kaum aus.

  1. Stockkarte lesen. Bevor du die Beute öffnest, schaust du nach, was du im Herbst notiert hast: Königin, Futter, letzte Varroabehandlung.
  2. Randwabe zuerst ziehen. Nimm die Wabe an Position 2 heraus, so bekommst du Platz. Lockere die Waben gruppenweise mit dem Stockmeisel.
  3. Waben richtig drehen. Drehe eine Wabe über die vertikale Achse, damit kein Nektar heraustropft.
  4. Erste Brutwabe suchen. Von beiden Seiten, dann sparst du dir die Mitte. Eier gefunden, Königin da.
  5. Volksstärke schätzen. Zähl die besetzten Wabengassen, beginnend in der unteren Zarge.
  6. Futter prüfen. Reichen 4 bis 6 kg? Wenn nicht, jetzt eine Futterwabe geben.
  7. Brutschwerpunkt zum Flugloch. Beim Zusammenbauen gehört das Brutnest auf die warme Fluglochseite.
  8. Alles notieren. Nach dem Termin trägst du Königin, Stärke, Futter und Milbenbefund in die Stockkarte ein.

Auswintern und Einwintern sind dabei die zwei Klammern des Bienenjahres. Im Herbst sorgst du mit Futter und Varroabehandlung dafür, dass das Volk überhaupt eine Chance hat, im Frühjahr klärst du, ob es die Chance genutzt hat. Wer die Herbstseite sauber macht, hat beim Auswintern deutlich weniger Sorgen. Dazu folgt ein eigener Beitrag.

Die Frühjahrsdurchsicht ist damit kein großes Aufreißen des Volkes, sondern eine kurze, klare Bestandsaufnahme: Lebt das Volk, hat es eine Königin, genug Futter und wie steht die Milbe? Wer diese vier Fragen zügig beantwortet und alles einträgt, startet ruhig und mit Überblick in die neue Saison.


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Häufige Fragen

Ab welcher Temperatur mache ich die erste Frühjahrsdurchsicht?
Arbeite kurz und zügig, sobald es deutlich wärmer ist. Laut dem Infobrief der Bieneninstitute liegt die Außentemperatur bei der Durchsicht immer noch mehr als 15 °C unter der Brutnesttemperatur von rund 35 °C. Ziehe deshalb nicht jede Wabe ausgiebig, sonst kühlt die Brut aus. Ein sonniger, windstiller Tag im zeitigen Frühjahr ist ideal.
Woran erkenne ich, ob mein Volk noch eine Königin hat?
Arbeite dich zur ersten Brutwabe vor. Siehst du dort neben verdeckelter Brut auch Eier, ist das Volk weiselrichtig, hat also eine Königin. Weiteres Aufreißen der Brut ist dann laut Infobrief kontraproduktiv. Mehrere Eier pro Zelle oder Nachschaffungszellen sind dagegen ein Alarmzeichen für ein weiselloses Volk.
Wie viel Futter braucht ein Volk im Frühjahr noch?
Halte eine Reserve von 4 bis 6 kg vor, also mindestens 2 bis 3 gut gefüllte Futterwaben. Unter 4 bis 5 kg sollte es laut Infobrief nie fallen. Ein starkes Volk verbraucht im Frühjahr rund 1 kg pro Woche, bis Mitte Mai brauchst du also mindestens 6 kg Vorrat. Überschüssige Futterwaben nimmst du früh heraus.
Muss ich im Frühjahr schon auf Varroa kontrollieren?
Ja, über den natürlichen Milbenfall auf der Windel. Die Messung dauert laut bienengesundheit.at etwa 2 Wochen, im zeitigen Frühjahr bis zu 3 Wochen. Puderzucker- und Auswaschmethode eignen sich erst ab Mitte Juli bis Oktober, im Frühjahr sind zu wenige Bienen und Milben in der Probe. Früher Milbenfall ist ein Warnsignal für hohen Sommerbefall.

Quellen

  1. LWG Bayern (Fachzentrum Bienen Veitshöchheim) — Volksdurchsicht (PDF)
  2. Bienen@Imkerei Infobrief 04/2025 — Frühjahrsdurchsicht (6 Bieneninstitute, PDF)
  3. bienengesundheit.at (Landwirtschaftskammern Österreich) — Diagnose der Varroa-Milbe
  4. AGES — Bienengesundheit & Bienenkrankheiten

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Hinweis: Dieser Artikel fasst öffentlich zugängliche Quellen zusammen und ist keine Steuer- oder Rechtsberatung. Angaben zu Kennzeichnungspflichten basieren auf der jeweils zitierten Fassung der Honigverordnung, des LMIV (EU 1169/2011) und nationaler Umsetzungsgesetze. Vor Produktionsentscheidungen empfehlen wir Rücksprache mit der zuständigen Landwirtschaftskammer oder einem Lebensmittelrechtler. Stand der hier zitierten Quellen: 14. Juli 2026.

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