Bienen fütterst du ein, sobald nach der letzten Ernte der Vorrat im Stock fehlt. Die Hauptzeit liegt zwischen August und Mitte September. Ein einzargiges Volk braucht rund 15 Kilogramm Futter, ein großes eher 18 bis 22. Du gibst Zuckerwasser im Verhältnis 3:2 oder fertigen Sirup, am besten langsam und abends.
Warum müssen Bienen überhaupt eingefüttert werden?
Im Sommer sammeln deine Bienen Nektar und legen Honig als Vorrat an. Diesen Honig erntest du. Damit nimmst du dem Volk genau das Futter weg, das es eigentlich für den Winter gebraucht hätte.
Nach der letzten Schleuderung ist der Stock oft fast leer. Ab August finden die Bienen draußen kaum noch Tracht. Die Blüten sind verblüht, die großen Trachten vorbei. Das Volk kann sich also nicht mehr selbst versorgen.
Genau hier kommst du als Imker ins Spiel. Du gibst dem Volk Ersatzfutter zurück. Damit baut es einen neuen Vorrat auf, von dem es den ganzen Winter zehrt. Ohne dieses Futter würde das Volk schlicht verhungern.
Ein gesundes, gut gefüttertes Volk übersteht den Winter deutlich besser. Wer schon weiß, wie ein Bienenvolk als Imker geführt wird, kennt das Prinzip: Du nimmst Honig, also gibst du Futter zurück. Wann du den Honig nimmst, liest du im Beitrag zum richtigen Zeitpunkt zum Schleudern.
Wie viel Winterfutter braucht ein Volk?
Die Menge hängt von der Größe des Volkes und der Beute ab. Als grobe Faustzahl gilt: Ein einzargiges Volk auf Deutsch Normalmaß oder Zander braucht etwa 15 Kilogramm Winterfutter.
Ein zweizargiges Volk oder eine Großraumbeute braucht mehr. Hier rechnet man mit 18 bis 22 Kilogramm, wobei 20 Kilogramm als guter Standard gelten. Dadant- und ähnliche große Beuten liegen ebenfalls bei gut 20 Kilogramm.
Wichtig ist ein Punkt, den Anfänger oft vergessen: Die Bienen verbrauchen beim Einlagern selbst Energie. Wer also will, dass die Bienen mit 20 Kilogramm in den Winter gehen, sollte eher 25 Kilogramm einfüttern. Ein Teil geht beim Umtragen und Verdeckeln verloren.
Auch die Region spielt mit. Ein langer, kalter Winter im Bergland zehrt mehr als ein milder Winter im Flachland. Im Zweifel fütterst du lieber etwas mehr als zu wenig. Ein hungerndes Volk im Februar ist schwer zu retten.
Eine einfache Kontrolle ist die Stockwaage oder das Anheben der Beute. Ein gut versorgtes Volk fühlt sich schwer an. Pro Monat zehrt ein Volk ohne Brut rund 1 Kilogramm, mit Brut eher 3 Kilogramm. So merkst du, ob der Vorrat reicht.
Manche Imker rechnen mit einer einfachen Formel: Wabenzahl mal 1,5 ergibt die nötige Futtermenge in Kilogramm für ein einzargiges Volk. Sitzt dein Volk auf zehn Waben, kommst du so auf rund 15 Kilogramm. Diese Zahl ist kein Gesetz, aber ein guter Anhaltspunkt für den Einstieg. Mit den Jahren bekommst du ein Gefühl für deine eigenen Völker und deinen Standort.
Womit füttere ich ein — Zuckerwasser, Sirup oder Futterteig?
Du hast drei Möglichkeiten. Jede hat ihre Stärken und Schwächen.
Zuckerwasser mischst du selbst. Für das Winterfutter nimmst du 3 Gewichtsteile Zucker und 2 Teile Wasser, also etwa 3 Kilogramm Zucker auf 2 Liter warmes Wasser. Wichtig: nur weißer Haushaltszucker. Brauner Zucker oder Zucker mit vielen unverdaulichen Stoffen führt im Winter zur Ruhr, weil die Bienen nicht ausfliegen und sich entleeren können. Zuckerwasser ist günstig, macht aber Arbeit und kann Räuberei anlocken.
Fertiger Sirup kommt im Kanister oder Eimer. Du gibst ihn direkt, ohne Anrühren. Das spart Zeit und Schlepperei mit warmem Wasser. Sirup ist sauber dosiert und für die Bienen leicht verträglich. Der Nachteil: Er kostet mehr als loser Zucker. Für viele Hobbyimker ist das aber jeden Cent wert.
Futterteig ist eine feste Zuckermasse. Er eignet sich gut als Notfutter im Frühjahr oder für kleine Ableger. Für die große Wintereinfütterung ist er weniger geeignet. Die Bienen brauchen Wasser, um den festen Teig aufzulösen. Im kühlen Herbst geht das langsam, und das Volk schafft die Menge oft nicht rechtzeitig.
Für die Haupteinfütterung im Spätsommer sind Zuckerwasser oder Sirup also die erste Wahl. Futterteig hältst du eher für den Notfall bereit.
Ein kleiner Tipp zum Zuckerwasser: Löse den Zucker in warmem Wasser, nicht in kochendem. Zu große Hitze kann den Zucker verändern und schwer verdauliche Stoffe bilden. Rühre kräftig, bis sich alles gelöst hat, und lass die Lösung abkühlen. Manche Imker geben einen Schuss eigenen Honig oder etwas Kamillentee dazu. Pflicht ist das nicht. Sauberer, gut gelöster Zucker reicht den Bienen völlig.
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Einfüttern?
Der Startschuss fällt direkt nach der letzten Ernte. Das ist meist Ende Juli oder Anfang August. Ab dann fehlt dem Volk die Tracht, und du kannst mit dem Auffüttern beginnen.
Die Haupteinfütterung läuft von August bis Mitte September. Bis Mitte September sollte das Futter im Stock sein. Der Grund ist einfach: Die Bienen müssen den Sirup noch umtragen, eindicken und verdeckeln. Das klappt nur, solange es warm genug ist und noch genug junge Bienen leben.
Fütterst du zu spät, schaffen die Bienen das Einlagern nicht mehr sauber. Das Futter bleibt dünn und kann gären. Außerdem zehrt eine späte Fütterung die Winterbienen aus, die eigentlich Kraft für den Winter sparen sollen.
Zu früh und zu hektisch ist aber auch nicht gut. Am besten fütterst du in mehreren Gaben über einige Wochen verteilt. So bleibt das Volk ruhig und lagert sauber ein. Eine kleine Restkontrolle Ende September zeigt dir, ob du noch etwas nachgeben musst.
Wie füttere ich richtig und vermeide Räuberei?
Das Futter gibst du dem Volk von oben oder direkt an die Wabengasse. Üblich sind ein Aufsatzfütterer über den Rähmchen oder eine Futtertasche, die wie eine Wabe in die Beute hängt. Beide fasst du mit Sirup oder Zuckerwasser.
Lege immer eine Schwimmhilfe ein. Kork, Stroh oder ein Stück Holz schwimmen oben und verhindern, dass Bienen ertrinken. Ohne Schwimmhilfe ersaufen sonst viele Tiere im Futter.
Du kannst langsam oder schnell füttern. Langsames Füttern über die Futtertasche verteilt die Arbeit auf viele Bienen und reizt das Volk zum Brüten. Schnelles Füttern mit großen Gaben füllt den Vorrat zügig, belastet aber mehr Bienen auf einmal. Für die ruhige Wintereinfütterung sind mehrere mittlere Gaben ein guter Mittelweg.
Das größte Risiko beim Füttern ist die Räuberei. Im Spätsommer gibt es draußen kaum Tracht. Fremde Bienen und Wespen riechen das Futter und versuchen, es zu klauen. Ein ausgeräubertes Volk ist schnell tot.
So beugst du vor: Füttere am Abend, wenn der Flugbetrieb ruht. Verschütte nichts und kleckere nicht vor dem Flugloch. Verkleinere das Flugloch, damit die Wache wenige Eingänge verteidigen muss. Öffne die Beuten zum Füttern nur kurz. Wer das beachtet, hat selten Ärger mit Räuberei.
Achte auch darauf, alle Völker am Stand möglichst gleich zu behandeln. Wenn ein schwaches Volk neben starken Völkern sitzt, wird es leicht zum Opfer. Fütterst du alle am selben Abend, ist die Gefahr geringer, dass ein Volk plötzlich auffällt. Lagere offenes Futter und leere Eimer nie am Bienenstand. Der Geruch lockt sonst die ganze Umgebung an und entfacht die Räuberei erst recht.
Erst Varroa behandeln oder erst füttern?
Das ist die wichtigste Frage im Spätsommer, und viele Anfänger machen sie falsch herum. Die Grundregel: Erst gegen die Varroamilbe behandeln, dann voll auffüttern. Den kompletten Fahrplan von Ende Juli bis September — mit Futterkontrolle, Behandlung und Durchsicht in der richtigen Reihenfolge — findest du im Beitrag zur Spätsommerpflege im August.
Der Grund liegt in der Ameisensäure, dem üblichen Mittel im Sommer. Sie verdunstet im Stock und tötet die Milben. Ein randvoller Futterraum stört diese Verdunstung. Außerdem brauchst du Platz in der Beute, damit die Säure wirken kann.
Der genaue Ablauf hängt vom Vorrat ab. Frag dich zuerst: Hat das Volk für die nächsten drei Wochen genug Futter? Wenn ja, behandelst du sofort gegen die Varroa. Jeder Tag Warten lässt die Milben weiter wachsen. Nach der Behandlung fütterst du dann die volle Wintermenge ein.
Reicht der Vorrat nicht, gibst du erst eine kleine Notgabe von einigen Litern. Damit überbrückst du die drei Wochen Behandlung. Erst danach fütterst du die große Menge.
Die Behandlung selbst startet meist Ende Juli oder Anfang August, gleich nach dem Abschleudern. Erlaubt ist in Deutschland 60-prozentige Ameisensäure über zugelassene Verdunster. Arbeite nur bei Temperaturen unter 25 Grad, sonst wird die Konzentration im Stock gefährlich hoch. Oft folgt im September eine zweite Behandlung gegen den Nachschub an Milben. Wer mit dem Imkern beginnt, sollte sich diese Reihenfolge gut merken — mehr Grundlagen findest du im Beitrag Imker werden für Anfänger.
Wie wintere ich das Volk richtig ein?
Ist das Volk behandelt und gefüttert, geht es ans Einwintern. Hier sorgst du dafür, dass die Bienen den Winter ruhig und sicher überstehen.
Zuerst engst du das Volk ein. Ein kleines Volk soll nicht in einer zu großen Beute sitzen. Du nimmst leere Waben heraus, damit die Bienen weniger Raum heizen müssen. Die Wintertraube sitzt dann dicht auf den verbliebenen Waben und hält sich gegenseitig warm.
Dann schützt du den Eingang vor Mäusen. Im Herbst sucht sich die Maus ein warmes Quartier, und ein Bienenstock ist ideal. Ein Mäusegitter oder ein Fluglochkeil verkleinert den Eingang. Der Spalt darf höchstens 7 Millimeter hoch sein, sonst kommt eine kleine Spitzmaus durch. Eingesetzt wird das Gitter meist Mitte Oktober, wenn die Bienen kaum noch fliegen und nachts Frost kommt.
Ab jetzt gilt vor allem eins: Ruhe. Im Winter sitzt das Volk in der Wintertraube und rührt sich kaum. Jede Störung kostet Energie und damit Futter. Du öffnest die Beute nicht mehr und klopfst nicht daran. Eine kurze Kontrolle von außen reicht.
Achte noch darauf, dass die Beute trocken steht und nicht umkippt. Schütze sie bei Bedarf vor Specht und Sturm. Dann lässt du dein Volk in Frieden. Im Frühjahr schaust du an einem milden Tag zum ersten Mal wieder hinein.
Ein letzter wichtiger Schritt im Winter ist die Restentmilbung. An einem frostigen Tag im Dezember, wenn das Volk brutfrei sitzt, behandeln viele Imker noch einmal mit Oxalsäure. Dann sitzen alle Milben auf den Bienen und keine ist mehr in der Brut versteckt. Diese Behandlung bringt das Volk sauber ins neue Jahr. Sie ist die ideale Ergänzung zur Sommerbehandlung mit Ameisensäure und gehört für viele zum festen Pflegeplan.
Halte dir am Ende der Saison kurz fest, was du getan hast und wann. Notiere das Datum der Fütterung, die Futtermenge und die Varroabehandlung. Im nächsten Jahr weißt du dann genau, was bei deinen Völkern funktioniert hat. Gerade als Anfänger lernst du so von Jahr zu Jahr dazu und musst nicht jedes Mal von vorn anfangen.
Wer diese Schritte sauber abarbeitet — füttern, behandeln, einengen, schützen — bringt seine Völker mit hoher Wahrscheinlichkeit gut durch den Winter. Das Einfüttern ist dabei kein Hexenwerk, sondern Handwerk mit klarer Reihenfolge.
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