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Wann Honig schleudern? Zeitpunkt, Reife & Tipps 2026

Wann Honig schleudern? Zwei-Drittel-Verdeckelung, Refraktometer-Wert ≤18 % und Spritzprobe — so erkennt jeder Imker den richtigen Erntezeitpunkt.

Von Sascha Ardeleanu ·
Frisch geerntete Honigwabe in den Händen eines Imkers
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Honig schleudern, sobald mindestens zwei Drittel der Waben verdeckelt sind und das Refraktometer einen Wassergehalt von höchstens 18 % zeigt — das sind die zwei verlässlichsten Zeichen für Schleuderreife. Wer beide Kriterien prüft, erntet stabilen Honig, der nicht gärt.

Woran erkennt man, dass der Honig schleuderreif ist?

Schleuderreifer Honig zeigt drei Merkmale: Die Wabe ist zu mindestens zwei Dritteln verdeckelt, bei der Spritzprobe fliegt kein Nektar heraus, und das Refraktometer zeigt einen Wassergehalt unter 18 %.

Die Bienen selbst sind der erste Hinweis. Sie verdeckeln eine Zelle erst, wenn der Nektar genug Wasser verloren hat. Komplett verdeckelte Waben sind fast immer reif. Waben, die erst zur Hälfte zugedeckelt sind, gehören zurück ins Volk.

Die Spritzprobe ist schnell gemacht: Eine unverdeckelte Randwabe waagerecht halten, dann ruckartig nach unten reißen. Spritzt Nektar heraus, ist der Honig noch zu nass und braucht mindestens weitere ein bis zwei Wochen. Spritzt nichts, sagt das noch nicht alles — aber zusammen mit der Verdeckelung ist es ein gutes Zeichen.

Den sicheren Beweis liefert das Refraktometer. Für den Verkauf gilt laut Honigverordnung: maximal 20 % Wassergehalt. Im D.I.B.-Qualitätsglas sind höchstens 18 % erlaubt. Viele erfahrene Imker schleudern erst unter 17,6 %, weil ab diesem Wert Gärhefe kaum noch gedeiht.

Wenn du wissen willst, wie du die Waben dann Schritt für Schritt verarbeitest, lies unseren Leitfaden Honig schleudern — Schritt für Schritt.

Wie viel Verdeckelung braucht eine Wabe wirklich?

Zwei Drittel ist die Mindestgrenze, bei der man mit einiger Sicherheit sagen kann: der Honig ist reif. Die Bienen verdeckeln eine Zelle erst, wenn sie ausreichend eingedickt ist — das ist ihr natürlicher Qualitätstest.

Vollständig verdeckelte Waben sind der Idealfall und brauchen in der Regel keine weitere Prüfung. Bei zwei Dritteln Verdeckelung empfiehlt sich ergänzend die Spritzprobe für den offenen Teil. Gerade bei Sommertrachten mit hoher Luftfeuchte kann auch eine fast verdeckelte Wabe oben noch zu nassen Honig enthalten.

Eine Ausnahme gibt es bei Sommer- und Mischtrachten: Hier ist Honig manchmal schon reif, obwohl die Wabe erst halb verdeckelt ist. Umgekehrt kann in sehr seltenen Fällen eine komplett verdeckelte Wabe noch unreifen Honig enthalten. Das Refraktometer schafft Klarheit, wenn man unsicher ist.

Randwaben sind bei der Prüfung besonders aufschlussreich: Die Bienen tragen dort meist den frischesten Nektar ein. Wenn die Randwabe die Spritzprobe besteht, sind die Zentralwaben fast immer bereit.

Was sagt das Refraktometer — und welcher Wert ist sicher?

Ein Refraktometer misst den Brechungsindex einer kleinen Honigprobe und zeigt daraus den Wassergehalt in Prozent an. Werte unter 18 % gelten für das D.I.B.-Qualitätsglas als Mindestanforderung, unter 17,6 % ist eine Gärung so gut wie ausgeschlossen.

Wichtig: Im Honigraum kann der Wassergehalt von Wabe zu Wabe und sogar innerhalb einer Wabe schwanken. Oben im Rähmchen ist der Honig oft trockener als unten. Deshalb lohnt es sich, mehrere Stichproben von verschiedenen Waben zu nehmen — vor allem von Randwaben, da sie oft den nassesten Honig haben.

Das Gerät muss vor der Messung kalibriert sein. Destilliertes Wasser bei 20 °C als Referenz reicht für die Praxis. Honig auf der Skala bei 20 °C ablesen; bei wärmerem Honig kurz abkühlen lassen.

Ein Richtwert für die Praxis: Zeigt das Refraktometer 18,5 % oder mehr, lieber eine weitere Woche warten und erneut messen. Liegt man zwischen 17 und 18 %, ist der Honig gut für den Verkauf. Unter 17 % ist er besonders langlebig.

Wann schleudert man den Rapshonig, bevor er kristallisiert?

Rapshonig muss innerhalb weniger Wochen nach Trachtenende geschleudert werden. Er kristallisiert ungewöhnlich schnell — manchmal schon in der Wabe — und lässt sich dann kaum noch ernten.

Raps blüht je nach Region von April bis Mitte Mai. Sobald die Blüte vorbei ist und die Waben zu zwei Dritteln verdeckelt sind, nicht länger warten. Als Faustregel gilt: spätestens zwei bis drei Wochen nach Trachtenende schleudern.

Wer zu lange wartet, merkt es an der Wabe: Der Honig fühlt sich zäh-fest an und lässt sich nicht mehr flüssig schleudern. In diesem Fall kann man die Waben kurz in einem warmen Raum (nicht über 40 °C) lagern, bis der Honig weicher wird — aber die Qualität leidet dabei.

Rapshonig neigt dazu, im Glas sehr fein und cremig zu kristallisieren, wenn man ihn beim Abfüllen aktiv rührt. Das ist kein Fehler, sondern bei Imkern und Kunden beliebt.

Kann man Honig nach Regen oder bei hoher Luftfeuchte schleudern?

Direkt nach Regentagen oder bei anhaltend feuchter Luft (über 60–65 % relative Luftfeuchtigkeit) steigt das Risiko, dass der Honig zu viel Wasser aufgenommen hat. Schleudern ist dann nicht grundsätzlich verboten, aber nur mit Refraktometer-Kontrolle sinnvoll.

Bienen tragen bei Regen keinen Nektar ein, aber Feuchtigkeit kann über offene Zellen in den Honig ziehen. Besonders gefährdet sind unverdeckelte oder nur halb verdeckelte Waben in feuchten Sommern.

Die Lösung: Vor dem Schleudern mehrere Proben messen. Liegt der Wassergehalt deutlich über 18 %, die Waben noch eine Woche hängen lassen. Ist das Wetter dann trockener, trocknen die Bienen den Honig nach.

Wer in einer feuchten Region imkert, profitiert davon, den Honigraum in einem gut belüfteten Schleuderraum kurz zu lagern, bevor er ihn verarbeitet. Einige Imker stellen die Waben über Nacht aufrecht in einen trockenen Raum mit laufendem Ventilator — das kann den Wassergehalt messbar senken.

Was passiert, wenn man zu früh schleudert?

Zu früh geschleuderter Honig gärt. Der hohe Wassergehalt bietet Hefen ideale Bedingungen — der Honig beginnt zu arbeiten, wird sauer und riecht nach Alkohol. Solcher Honig ist für den Verkauf nicht mehr zugelassen und als Lebensmittel unbrauchbar.

Die Grenze liegt bei 20 % Wassergehalt laut Honigverordnung. Aber selbst Honig unter 20 % kann noch gären, wenn er warm gelagert wird. Deshalb ist 18 % die sicherere Grenze, 17,6 % die praktische Empfehlung vieler erfahrener Imker.

Ein weiteres Problem: Nasser Honig schäumt stark beim Schleudern und lässt sich schlechter abfüllen. Die Blasen steigen langsam auf und trüben das Glas. Der Entschäumungsprozess dauert Tage — wer auf Qualität und saubere Optik im Glas setzt, will das von vornherein vermeiden.

Wenn du mit dem Schleudern noch am Anfang bist, hilft ein detaillierter Ablaufplan. Lies dazu: Honig schleudern — Schritt für Schritt.

Wann schleudert man den letzten Honig im Jahr?

Den letzten Sommerhonig schleudert man spätestens Ende Juli bis Mitte August — je nach Region und Trachtlage. Danach brauchen die Bienen Zeit, um Wintervorräte einzutragen und aufzubauen.

Wer zu spät erntet, nimmt den Bienen Vorräte, die eigentlich für den Winter gedacht sind. Die Völker müssen dann aufgefüttert werden, was mehr Aufwand bedeutet und die Qualität des Winterfutters beeinflusst.

In manchen Regionen gibt es noch eine Spätsommertracht aus Phacelia, Buchweizen oder Spätblühern wie Goldrute und Linde. Dieser Honig bleibt im Volk als Winterfutter, sofern die Völker nicht stark genug für einen weiteren Schleudergang sind.

Als Orientierung: Nach der letzten Schleuderung sollte ein starkes Volk mindestens 15 bis 20 Kilogramm Vorräte haben, um sicher durch den Winter zu kommen. Was darüber liegt, kann geerntet werden — aber erst nach der Prüfung auf Schleuderreife, auch wenn es Ende August ist.

Wer zu spät mit dem Abschluss merkt, dass die Waben zu wenig Futtervorrat enthalten, muss zugefüttert werden — mit Invertzucker oder verdünnter Zuckerlösung. Das ist kein Beinbruch, aber Aufwand und Kosten, die sich mit rechtzeitiger Ernte-Planung vermeiden lassen.

Den passenden Zeitpunkt für die Trachten in deiner Region zeigt der Trachtkalender oben — dort siehst du, wann welche Blüten in deiner Gegend wichtig sind und kannst deine Schleudertermine darauf abstimmen.

Häufige Fragen

Wie viel Wassergehalt darf Honig beim Schleudern haben?
Laut Honigverordnung maximal 20 %, für das D.I.B.-Qualitätsglas maximal 18 %. Viele erfahrene Imker zielen auf unter 17,6 %, ab dem eine Gärung praktisch ausgeschlossen ist.
Wann schleudert man Rapshonig?
Rapshonig muss früh geschleudert werden — spätestens zwei bis drei Wochen nach Trachtenende, sonst kristallisiert er fest in der Wabe und lässt sich kaum noch ernten.
Kann man Honig nach Regen schleudern?
Direkt nach Regen oder bei anhaltend hoher Luftfeuchte (über 60–65 %) ist Vorsicht geboten. Den Wassergehalt vorher mit dem Refraktometer prüfen, nicht blind schleudern.
Was passiert, wenn man zu früh Honig schleudert?
Zu früh geschleuderter Honig gärt. Hefe vermehrt sich im wasserreichen Milieu und macht den Honig unverkäuflich. Ein einmal gärender Honig lässt sich nicht mehr retten.
Wann schleudert man den letzten Honig im Jahr?
Den Sommerhonig schleudert man spätestens Ende Juli bis Mitte August, damit den Bienen genug Zeit bleibt, Wintervorräte einzutragen. Die genaue Tracht hängt von Region und Jahr ab.

Quellen

  1. bienen&natur — Wann ist mein Honig reif?
  2. bienenhirte.de — Honigernte wann?
  3. HU Berlin — Wassergehalt des Honigs (PDF)

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Hinweis: Dieser Artikel ist eine redaktionelle Zusammenfassung öffentlich zugänglicher Quellen, keine Steuer- oder Rechtsberatung. Angaben zu Kennzeichnungspflichten basieren auf der jeweils zitierten Fassung der Honigverordnung, des LMIV (EU 1169/2011) und nationaler Umsetzungsgesetze. Vor Produktionsentscheidungen empfehlen wir Rücksprache mit der zuständigen Landwirtschaftskammer oder einem Lebensmittelrechtler. Stand der hier zitierten Quellen: 20. Juni 2026.