Honig schleudern gelingt problemlos, wenn der Zeitpunkt stimmt und der Ablauf sitzt. Entscheidend ist der Wassergehalt: Unter 20 % laut Honigverordnung (HonigV), besser unter 18 %. Dann hält der Honig lange und gärt nicht. Dieser Artikel führt dich Schritt für Schritt durch Reife-Check, Entdeckeln, Schleudern, Sieben, Klären, cremig Rühren und Lagern.
Wann ist der Honig reif zum Schleudern?
Reif ist der Honig, wenn die Bienen ihn verdeckelt haben. Die Bienen versiegeln die Waben mit einem Wachsdeckel, sobald der Wassergehalt ausreichend gesunken ist. Als Faustregel gilt: Bei der ersten Schleuderung im Frühjahr sollten mindestens 50 % der Wabenfläche verdeckelt sein, im Sommer reichen 30–50 %.
Wer auf Nummer sicher gehen will, misst direkt: Ein Refraktometer kostet wenig und liefert verlässliche Werte. Dafür einen Tropfen Honig auf das Prisma geben, Deckel schließen und ins Licht halten. Die Skala zeigt den Brix-Wert — der entspricht ungefähr dem Wassergehalt in Prozent. Ziel: unter 18 %. Bis 20 % ist gesetzlich zulässig, aber an der Grenze.
Zu hoher Wassergehalt ist das häufigste Problem bei Gärung. Zu niedriger — unter 15 % — macht den Honig steinhart und schwer abzufüllen. Beides lässt sich mit dem richtigen Erntezeitpunkt vermeiden. Mehr zum Thema Reife und Timing findest du in unserem Artikel Wann Honig schleudern — Zeitpunkt und Reife.
Wie bereitet man Schleuderraum und Geräte vor?
Der Schleuderraum muss sauber, bienendicht und trocken sein. Bienen riechen frischen Honig auf mehrere Hundert Meter — eine offene Tür zieht sofort ein Volk an. Fenster mit feinem Netz abdichten, Türen geschlossen halten.
Geräte, die du bereitstellen solltest:
- Honigschleuder (Radial oder Tangential)
- Entdeckelungswanne mit Sieb oder Abtropfgitter
- Entdeckelungsmesser (elektrisch oder heißes Wasserband) oder Entdeckelungsgabel
- Doppelsieb für den Absetzbehälter
- Absetzbehälter mit Hahn (Edelstahl oder Lebensmittelplastik)
- Saubere, trockene Gläser und Deckel
Alles heiß ausspülen und trocken wischen. Feuchte Geräte erhöhen den Wassergehalt des Honigs. Am Vorabend Bienenfluchten zwischen Honig- und Brutraum einlegen — richtig herum! Falsch eingelegt sitzen am nächsten Morgen alle Bienen oben.
Wie entdeckelt man Waben richtig?
Waben entdeckeln heißt, den Wachsdeckel abheben, ohne die Honigstruktur darunter zu zerstören. Das gelingt am besten mit einem auf 70–80 °C erhitzten Entdeckelungsmesser oder einer Entdeckelungsgabel.
Wabe senkrecht über der Entdeckelungswanne halten und das Messer in flachen Zügen von unten nach oben führen. Versuche, nur die Wachsschicht abzuheben — nicht tief ins Wabenmaterial einzustechen. Versunkene Zellen, die das Messer nicht erreicht, lassen sich mit der Gabel öffnen.
Das Deckelwachs in der Wanne auffangen: Es enthält noch reichlich Honig. Nach dem Schleudern warm auswaschen oder ausschleudern, dann schmelzen. Aus dem Deckelwachs wird hochwertiges, helles Bienenwachs.
Wie läuft das Schleudern Schritt für Schritt ab?
Entdeckelte Waben sofort in die Schleuder einsetzen — so wenig Luft wie möglich. Die Schleuder langsam anlaufen lassen, dann Drehzahl steigern. Zu abrupter Start kann Waben brechen, besonders wenn sie voll sind.
Tangentialschleuder: Waben mit einer Seite nach außen einlegen. Nach etwa halber Zeit stoppen, umdrehen und die andere Seite schleudern. Sonst bricht die innen liegende Wabe unter dem Gewicht durch.
Radialschleuder: Waben stehen mit der Mittelwand nach außen — beide Seiten werden gleichzeitig entleert. Hier kein Umdrehen nötig.
Wie lange schleudern? Bis der Honigfluss aus den Waben versiegt. Das dauert je nach Schleudergröße und Honigmenge 5–15 Minuten. Schwerer Honig (Raps) braucht länger als leichter Akazienhonig. Schleudere nicht zu lange auf maximaler Drehzahl — das beansprucht Waben und Gestell unnötig.
Temperatur spielt ebenfalls eine Rolle: Honig unter 20 °C zieht schlecht aus den Waben. An kühlen Tagen lohnt es sich, den Schleuderraum vorher auf Raumtemperatur zu heizen. Kristallisierter Rapshonig muss oft bei 35–40 °C leicht erwärmt werden, damit er überhaupt noch schleudert.
Waben nach dem Schleudern zurück ins Bienenvolk stellen: Die Bienen putzen Reste sauber und verarbeiten sie weiter. Das nennt sich Ausschlecken und kann an warmen Tagen zu Räubereiverhalten führen — daher Waben abends hinstellen und Fluglöcher kontrollieren.
Wie siebt und klärt man den Honig nach dem Schleudern?
Frisch geschleuderter Honig enthält Wachspartikel, Propolis-Splitter, Luftblasen und gelegentlich Bienenreste. Ein Doppelsieb trennt das meiste davon ab. Das grobmaschige Sieb oben hält größere Teile zurück, das feinmaschige darunter filtert kleines Wachs heraus.
Siebe nicht zu eng wählen: Unter 0,2 mm Maschenweite gilt als Filtern — das ist nach der Honigverordnung verboten, weil dabei wertvoller Blütenstaub entfernt wird.
Nach dem Sieben Honig im Absetzbehälter ruhen lassen. 24 bis 48 Stunden bei Raumtemperatur reichen aus. Wachs und Luftblasen steigen nach oben und bilden eine helle Schaumschicht. Die lässt sich leicht abschöpfen und eignet sich zum Auskochen für Wachs.
Erst dann ist der Honig abfüllbereit. Wer vorher abfüllt, riskiert Trübungen und Bläschen im Glas.
Was tun, wenn der Wassergehalt zu hoch ist?
Ein zu hoher Wassergehalt — über 20 % — ist kein Todesurteil, aber Handeln ist nötig. Gärhefen können bei ausreichend Wasser aktiv werden und den Honig innerhalb von Wochen fermentieren.
Noch in den Waben: Waben bei niedriger Luftfeuchtigkeit (unter 60 %) nachtrocknen. Einen trockenen Raum wählen, Ventilator aufstellen, Waben locker aufhängen. Je nach Ausgangswert reichen 1–3 Tage.
Bereits geschleuderter Honig mit zu hohem Wassergehalt lässt sich mit trockenem Honig (unter 16 %) mischen — der Gesamtgehalt sinkt. Die Mischung genau messen. Eine weitere Option ist die Vakuumtrocknung, die aber spezielle Ausrüstung erfordert.
Für den Verkauf gilt: Honig über 20 % Wassergehalt darf nach HonigV nicht in Verkehr gebracht werden. Lieber kleinere Chargen ernten, den Wassergehalt dokumentieren und nichts riskieren.
Wie rührt man Honig cremig — und warum lohnt es sich?
Frisch geschleuderter Honig kristallisiert nach einigen Wochen von selbst — mal fein, mal grob, mal klumpig. Das Ergebnis ist Glücksache. Wer es kontrollieren will, rührt cremig.
Das Prinzip: Dem noch flüssigen Honig fertigen Cremehonig als Impfkristall beimischen (je nach Rezept 5–10 % Anteil). Die vorhandenen Impfkristalle geben dem gesamten Honig vor, wie er kristallisieren soll — gleichmäßig fein. Dann bei 14–18 °C rühren lassen, entweder per Hand (täglich mehrfach) oder mit einem Rührwerk.
Nach 3–7 Tagen ist der Honig cremig, streichfähig und bleibt es auch bei Raumtemperatur. Er fließt nicht mehr aus dem Glas, sieht einheitlich aus und zieht sich beim Verkauf besser als unbehandelter, flüssiger Honig. Wenn du deinen Honig vermarktest, lohnt sich cremiges Rühren fast immer — mehr dazu im Artikel Honig verkaufen 2026.
Einmal cremig gerührt, lässt sich ein Teil als Impfkristall für die nächste Charge einfrieren.
Wie lagert man Honig nach dem Schleudern richtig?
Honig richtig lagern heißt: kühl, dunkel, trocken, dicht verschlossen. Die vier Hauptfeinde sind Wärme, Licht, Feuchtigkeit und Fremdgerüche.
Temperatur: 10–18 °C sind ideal. Über 25 °C verliert Honig Enzyme und Aromastoffe, der HMF-Wert (Hydroxymethylfurfural) steigt — ein Qualitätsmerkmal, das bei der Analyse geprüft wird. Unter 10 °C kristallisiert Honig schneller, was ihn aber nicht schlechter macht.
Behälter: Verschlossene Gläser oder Edelstahlbehälter. Plastik kann Gerüche übertragen und ist für Langzeitlagerung weniger geeignet. Lebensmittelechtes Plastik ist kurzfristig unbedenklich, aber für den Verkauf greifen die meisten Imker zu Glas — es sieht hochwertiger aus und gibt keine Fremdaromen ab. Deckel immer dicht — Honig ist hygroskopisch und zieht Feuchtigkeit aus der Luft.
Licht abblocken: Ultraviolettes Licht baut Enzyme ab und verändert die Farbe heller Honige. Lager- und Verkaufsgläser am besten im Dunkeln oder in Kartons stellen.
Haltbarkeit: Richtig gelagerter Honig verdirbt praktisch nicht. Das Mindesthaltbarkeitsdatum von 2 Jahren nach HonigV ist vorsichtig angesetzt — gut gelagerter Honig hält deutlich länger. Für den Direktverkauf ist Etikett und MHD trotzdem Pflicht; die genauen Anforderungen zeigt dir label.hofwerk.at in wenigen Minuten.