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Honig-Wassergehalt mit dem Refraktometer messen (2026)

Honig-Wassergehalt richtig messen: So kalibrierst du dein Refraktometer, liest den Wert ab und vermeidest Messfehler. Grenzwerte 18 % (D.I.B.) und 20 % erklärt.

Mit KI erstellt · Herausgeber: Sascha Ardeleanu ·
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Frisch geerntete Honigwabe in den Händen eines Imkers

Den Wassergehalt von Honig misst du mit einem Refraktometer: einen Tropfen flüssigen Honig auf das Prisma geben, Deckel andrücken, eine bis zwei Minuten warten und den Wert an der blau-weißen Grenzlinie ablesen. Vorher das Gerät auf 19,6 % kalibrieren. Gut ist alles unter 18 %.

Klingt einfach, hat aber Tücken. Ein falsch kalibriertes Gerät, ein Tropfen Spritzwasser oder die falsche Temperatur verfälschen den Wert um mehrere Zehntel. Und genau diese Zehntel entscheiden, ob dein Honig stabil bleibt oder im Glas zu gären anfängt. Hier kommt die ganze Anleitung, Schritt für Schritt.

Warum ist der Wassergehalt im Honig so entscheidend?

Der Wassergehalt entscheidet über die Haltbarkeit. Reifer Honig ist eine gesättigte Zuckerlösung. Er zieht Wasser an, gibt aber kaum welches ab. Solange wenig Wasser drin ist, können sich Hefen nicht vermehren. Der Honig bleibt jahrelang stabil.

Steigt der Wasseranteil, kippt das Gleichgewicht. Hefen finden dann genug freies Wasser und fangen an, den Zucker zu vergären. Es entstehen Alkohol, Kohlensäure und ein säuerlicher Geschmack. Der Honig schäumt, treibt den Deckel hoch und ist nicht mehr verkaufsfähig.

Die Faustzahl der Praxis ist klar. Die LWG Bayern schreibt, dass über 18 % Wassergehalt die Gefahr deutlich steigt, dass Honig bei der weiteren Lagerung in Gärung übergeht. Unter etwa 17,5 % ist eine Gärung praktisch ausgeschlossen. Deshalb messen Imker lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Ein einmal gärender Honig lässt sich nicht mehr retten. Du kannst ihn allenfalls noch als Backhonig oder für Met verwenden. Wer auf Nummer sicher gehen will, misst jeden Eimer vor dem Abfüllen. Das gehört auch in dein Logbuch, damit du später ein sauberes Mindesthaltbarkeitsdatum festlegen kannst.

Ein kleines Rechenbeispiel macht es greifbar. Zwei Eimer sehen gleich aus, der eine misst 17,2 %, der andere 18,9 %. Der trockene bleibt im Regal zwei Jahre stabil. Der nasse fängt nach wenigen Monaten an zu treiben, besonders bei warmer Lagerung. Du siehst den Unterschied dem Honig nicht an. Nur das Refraktometer zeigt ihn dir, bevor der Schaden entsteht. Genau deshalb ist Messen kein Luxus, sondern Pflicht.

Welche Grenzwerte gelten — 18 oder 20 Prozent?

Es gibt zwei Zahlen, und beide stimmen. Welche für dich gilt, hängt davon ab, wie du verkaufst.

Die gesetzliche Grenze steht in der Honigverordnung. Dort sind höchstens 20 % Wasser erlaubt. Das ist der allgemeine Wert für normalen Honig. Für Heidehonig vom Heidekraut (Calluna) und für Backhonig erlaubt das Gesetz bis 23 %. Backhonig aus Heidehonig darf sogar bis 25 % haben. Diese höheren Werte sind Sonderfälle.

Strenger ist der Deutsche Imkerbund. Wer seinen Honig im D.I.B.-Glas als “Echten Deutschen Honig” verkaufen will, muss unter 18 % bleiben. Wortlaut der Richtlinie: Der Honig muss einen Wassergehalt von weniger als 18 % aufweisen. Der Grund ist Qualität. Trockener Honig ist reifer, gärt seltener und schmeckt voller.

Für dich heißt das in der Praxis: Ziele auf unter 18 %. Damit erfüllst du beide Vorgaben gleichzeitig. Viele erfahrene Imker peilen sogar 15 bis 17,5 % an. Das gibt dir Puffer, falls dein Gerät leicht ungenau misst. Mehr zum richtigen Erntefenster steht im Artikel über den Zeitpunkt der Honigreife.

Wie funktioniert ein Refraktometer überhaupt?

Ein Refraktometer ist ein optisches Messgerät. Es nutzt die Lichtbrechung. Licht wird in einer Flüssigkeit unterschiedlich stark gebrochen, je nachdem wie viel Zucker gelöst ist. Viel Zucker bricht das Licht stark, viel Wasser bricht es schwach.

Das Gerät übersetzt diese Brechung in einen Zahlenwert auf einer Skala. Beim Honig-Refraktometer steht dort direkt der Wassergehalt in Prozent. Du schaust durch das Okular und siehst ein helles und ein dunkles Feld. Die Grenze zwischen beiden, eine scharfe blau-weiße Linie, zeigt deinen Wert an.

Manche Geräte tragen keine Honig-Skala, sondern eine Brix-Skala oder eine Zuckerskala. Brix misst den Zuckeranteil, nicht das Wasser. Dann musst du umrechnen. Dazu später mehr. Für die Imkerei kaufst du am besten gleich ein Gerät mit Wassergehalt-Skala für Honig. Das gibt es ab rund 60 Euro und erspart dir das Umrechnen.

Wichtig ist die Temperaturkompensation. Die Lichtbrechung hängt von der Temperatur ab. Gute Geräte gleichen das automatisch aus. Das Kürzel dafür ist ATC. Steht es auf der Verpackung, musst du dir um warme oder kühle Messräume weniger Sorgen machen.

Wie kalibriere ich mein Refraktometer richtig?

Ohne Kalibrierung ist jede Messung Glückssache. Neue Geräte sind oft ab Werk verstellt. Auch Stöße oder Temperaturschwankungen bringen die Skala durcheinander. Prüfe darum vor jeder Saison.

Der saubere Weg geht über Nelkenöl und einen Glaskörper. Beides liegt vielen Geräten bei. Du gibst einen Tropfen Nelkenöl auf das Prisma, legst den Glaskörper auf und liest ab. Bei 20 Grad muss das Gerät 19,6 % anzeigen. Das ist der Referenzwert des Instituts für Bienenkunde Celle. Zeigt es etwas anderes, drehst du mit dem kleinen Schlüssel an der Justierschraube nach, bis genau 19,6 % erscheinen.

Hast du kein Nelkenöl zur Hand, geht es notfalls mit normalem Speiseöl. Olivenöl ergibt rund 27,0 bis 27,2 %, Sonnenblumenöl etwa 24,8 bis 25,2 %. Das funktioniert aber nur, wenn die Skala deines Geräts so weit reicht. Nelkenöl mit Glaskörper ist genauer, weil der Wert dichter am Messbereich für Honig liegt.

Prüfe zum Schluss die Temperaturkompensation. Miss dieselbe Honigprobe bei verschiedenen Temperaturen, etwa bei 16, 20, 24 und 28 Grad. Ein gutes ATC-Gerät zeigt jedes Mal fast denselben Wert. Weicht es stark ab, ist die Kompensation defekt. Dann gilt als grobe Regel: rund 0,1 % Fehler je Grad Abstand von 20 Grad.

Wie messe ich den Wassergehalt Schritt für Schritt?

Jetzt die eigentliche Messung. Sie dauert keine zwei Minuten, wenn du sauber arbeitest.

  1. Honig anwärmen. Der Honig muss flüssig sein. Fester oder kristallisierter Honig lässt sich nicht messen. Erwärme ihn schonend, nicht über 40 Grad, damit du keine Inhaltsstoffe schädigst.
  2. Probe rühren. Rühre den Eimer kurz durch. So misst du einen Durchschnittswert und nicht zufällig eine nasse oder trockene Stelle.
  3. Tropfen auftragen. Gib einen kleinen Tropfen auf das Prisma. Verteile ihn dünn, indem du den Deckel andrückst. Es dürfen keine Luftblasen und keine Leerstellen bleiben.
  4. Warten. Lass das Gerät eine bis zwei Minuten liegen. Honig und Prisma müssen dieselbe Temperatur haben, sonst stimmt der Wert nicht.
  5. Ablesen. Halte das Gerät gegen Licht und schau durchs Okular. Lies an der blau-weißen Grenzlinie den Wassergehalt ab.
  6. Notieren. Schreib den Wert auf, am besten je Eimer. Das hilft beim späteren Abfüllen und Etikettieren.

Reinige das Prisma danach mit einem weichen, feuchten Tuch. Reste vom letzten Honig verfälschen die nächste Messung. Wie sich die Messung in den Erntealltag einfügt, zeigt die Anleitung zum Honig schleudern Schritt für Schritt.

Welche Messfehler passieren am häufigsten?

Die meisten falschen Werte haben drei Ursachen. Wer sie kennt, misst zuverlässig.

Der erste Fehler ist Spritzwasser. Ein nasses Prisma, ein feuchtes Tuch oder ein Tropfen Wasser im Honig drücken den Wert künstlich nach oben. Schon ein Hauch Feuchtigkeit täuscht zu viel Wasser vor. Trockne darum Prisma, Spatel und Hände gut ab, bevor du den Honig aufträgst.

Der zweite Fehler ist die Temperatur. Honig und Gerät müssen gleich warm sein. Holst du das Refraktometer aus dem kalten Keller und gibst warmen Honig darauf, zeigt es Unsinn. Lass beides ein paar Minuten aneinander angleichen. Auch ohne ATC misst du dann genauer.

Der dritte Fehler ist zu wenig Honig oder eine Luftblase. Bleibt das Prisma teilweise leer, wird die Grenzlinie unscharf oder steht falsch. Trage lieber einen Tropfen mehr auf und drücke den Deckel fest an, bis der Film gleichmäßig ist.

Ein vierter, oft übersehener Punkt: alter Honig im Gerät. Eingetrockneter Zucker am Prisma verschiebt jede Messung. Reinige nach jeder Sorte. Und vertrau keinem Gerät blind, das seit einem Jahr unjustiert in der Schublade lag.

Was hat es mit Brix-Skala und Spritzprobe auf sich?

Nicht jedes Gerät zeigt Wasser direkt an. Hat dein Refraktometer nur eine Brix- oder Zuckerskala, musst du den Messwert umrechnen. Als grobe Faustzahl ziehst du vom abgelesenen Wert etwa 1,7 % ab, um auf den Wassergehalt zu kommen. Der genaue Abzug hängt vom Bereich ab. Genauer ist eine Umrechnungstabelle, wie sie im Imkerbedarf beiliegt. Wer sicher gehen will, kauft gleich ein Honig-Refraktometer mit Wasser-Skala.

Die Spritzprobe ersetzt kein Refraktometer, ist aber ein guter Schnelltest am Volk. Du nimmst eine Wabe und schlägst sie schwungvoll nach unten oder kippst sie kräftig. Spritzt Nektar aus den offenen Zellen, ist der Honig noch zu nass. Er bleibt im Volk. Bleibt alles in den Zellen, ist er reif. Diese Probe ergänzt die Verdeckelung als zweites Reifezeichen.

Beim Schleudern selbst gibt es ein drittes Zeichen. Läuft der Honig aus der Schleuder und bildet einen kleinen Kegel, der stehen bleibt, ist er zäh genug und damit trocken. Verläuft er sofort glatt, war er vermutlich zu wässrig. All diese Proben sind hilfreich. Den genauen Prozentwert liefert aber nur das Refraktometer.

Was tun, wenn der Wassergehalt zu hoch ist?

Misst du über 18 %, hast du noch Handlungsspielraum, solange der Honig nicht gärt. Zwei Wege führen zu hohem Wasser: zu früh geerntet oder nach der Ernte Feuchtigkeit gezogen.

Der beste Schutz ist Vorbeugung. Schleudere erst, wenn mindestens zwei Drittel der Waben verdeckelt sind. Halte Schleuder- und Lagerraum trocken, unter 60 % Luftfeuchte. Offener Honig zieht in feuchten Räumen Wasser an, auch wenn er reif war. Heize den Raum bei Bedarf leicht auf, das senkt die relative Feuchte.

Ist der Honig schon zu nass, kannst du ihn entfeuchten. Stell die offenen Waben oder den offenen Eimer in einen warmen, trockenen Raum mit Luftbewegung. Ein Entfeuchter oder ein Ventilator hilft. Bei verdeckeltem Honig entdeckelst du die Waben vorher. Das senkt den Wassergehalt langsam um einige Zehntel. Es ist Mehrarbeit, rettet aber die Ernte.

Ist der Honig bereits am Gären, ist Schluss. Du erkennst es an Schaum, Bläschen und säuerlichem Geruch. Diesen Honig verkaufst du nicht als Tafelhonig. Du kannst ihn noch zu Met verarbeiten oder als Backhonig nutzen. Darum lohnt sich das frühe Messen so sehr: Es verhindert genau diesen Verlust.

Tipp aus der Praxis: Du willst Reife, Ernte und Haltbarkeit deines Honigs sauber dokumentieren? In unserem Newsletter teilen wir regelmäßig kompakte Praxis-Spickzettel für Imker. Eintragen lohnt sich, gerade vor der Schleudersaison.

Kurz zusammengefasst

Der Wassergehalt entscheidet über Haltbarkeit und Qualität deines Honigs. Gesetzlich sind höchstens 20 % erlaubt, für das D.I.B.-Glas unter 18 %, und sicher ist alles unter 17,5 %. Miss mit einem kalibrierten Refraktometer: Nelkenöl auf 19,6 % einstellen, flüssigen Honig auftragen, warten, an der blau-weißen Linie ablesen. Achte auf trockenes Prisma, gleiche Temperatur und genug Honig im Bild. Liegt der Wert zu hoch, entfeuchten oder als Backhonig nutzen. So bringst du jeden Eimer stabil ins Glas.

Häufige Fragen

Wie viel Wasser darf Honig laut Gesetz haben?
Die Honigverordnung erlaubt höchstens 20 % Wasser. Heidehonig und Backhonig dürfen bis 23 % haben, Backhonig aus Heidehonig bis 25 %. Für das D.I.B.-Glas gilt strenger: unter 18 %.
Ab welchem Wassergehalt gärt Honig?
Über 18 % steigt die Gefahr deutlich, dass Honig bei der Lagerung gärt. Unter etwa 17,5 % gilt eine Gärung als praktisch ausgeschlossen, weil Hefen dann kaum noch Wasser zum Wachsen finden.
Muss ich mein Refraktometer jedes Mal kalibrieren?
Nicht vor jeder einzelnen Messung, aber regelmäßig und vor der Saison. Prüfe mit Nelkenöl und Glaskörper bei 20 Grad auf 19,6 % und stelle die Schraube bei Abweichung nach.
Was kostet ein gutes Honig-Refraktometer?
Ein brauchbares Handrefraktometer für die Imkerei gibt es ab rund 60 Euro. Achte auf eine Wassergehalt-Skala für Honig und auf automatische Temperaturkompensation, kurz ATC.

Quellen

  1. Deutscher Imkerbund — Qualitätsrichtlinien Echter Deutscher Honig
  2. Honigverordnung (HonigV) — gesetze-im-internet.de
  3. LAVES Institut für Bienenkunde Celle — Wassergehaltsbestimmung mit dem Handrefraktometer (PDF)
  4. bienen&natur — Refraktometer kalibrieren und Wassergehalt genau messen
  5. LWG Bayern — Problem: Zu hoher Wassergehalt im Honig
  6. Die Honigmacher — Wassergehalt und Refraktometermessung

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Hinweis: Dieser Artikel fasst öffentlich zugängliche Quellen zusammen und ist keine Steuer- oder Rechtsberatung. Angaben zu Kennzeichnungspflichten basieren auf der jeweils zitierten Fassung der Honigverordnung, des LMIV (EU 1169/2011) und nationaler Umsetzungsgesetze. Vor Produktionsentscheidungen empfehlen wir Rücksprache mit der zuständigen Landwirtschaftskammer oder einem Lebensmittelrechtler. Stand der hier zitierten Quellen: 9. Juli 2026.

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