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Propolis ernten: Ertrag, Aufbereitung & Verkauf für Imker

Propolis ernten mit dem Propolisgitter, Rohpropolis aufbereiten, lagern und als Imker legal verkaufen — Schritt für Schritt erklärt.

Von Sascha Ardeleanu ·
Honigbiene sammelt Nektar an einer Blüte
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Mit dem Propolisgitter lässt sich Propolis ernten, ohne den Bienenstock stark zu stören. Pro Volk und Jahr sind 50 bis 200 g Rohpropolis realistisch — je nach Volksstärke, Rasse und Trachtlage. Wer sauber erntet, aufbereitet und die rechtlichen Grenzen kennt, erschließt eine lohnende Einnahmequelle neben Honig und Wachs.

Wie ernte ich Propolis mit dem Propolisgitter — Schritt für Schritt?

Das Propolisgitter liegt einfach auf die Zargen auf, die Bienen verkleben es in wenigen Wochen. Hier die Schritte in der Praxis:

  1. Gitter einlegen. Lege ein Kunststoff-Propolisgitter (Schlitzweite 3–4 mm) unter den Deckel des Bienenstocks, direkt auf die oberste Zarge. Die Bienen füllen die Schlitze mit Propolis, sobald sie Zugluft spüren.

  2. Wartezeit. In der Haupttracht brauchen Völker etwa vier bis acht Wochen, um ein Gitter vollständig zu verkleben. Im Spätsommer arbeiten Bienen oft schneller, weil sie dann verstärkt abdichten.

  3. Zeitpunkt der Ernte. Ernte vorzugsweise im Spätsommer oder Herbst. Dann ist der Propolis-Eintrag am höchsten. Erntezeit bei warmen Temperaturen: Das Gitter lässt sich leicht abrollen.

  4. Einfrieren. Stecke das volle Gitter in einen Gefrierbeutel und lege es für mindestens zwei Stunden in den Gefrierschrank. Bei Minustemperaturen wird Propolis spröde und bröckelt von selbst ab.

  5. Propolis lösen. Nimm das gefrorene Gitter und biege oder klopfe es. Die Propolis-Brocken fallen heraus. Reste löst du mit einem Spachtel. Schnell arbeiten, damit das Material nicht wieder weich wird.

  6. Sieben. Grobe Wachs- und Bienenteile siebst du mit einem Küchen- oder Metallsieb (Maschenweite 2–3 mm) heraus. Was übrig bleibt, ist Rohpropolis.

Ein Tipp: Plastikgitter lassen sich leichter biegen als Metallgitter. Metall hält länger, ist aber beim Einfrieren und Abklopfen unhandlicher.

Für Einsteiger reicht ein Gitter pro Volk. Wenn du mehrere Völker hast, kannst du die Gitter rotieren: Ein Gitter einlegen, das volle herausnehmen und einfrieren, während das nächste schon befüllt wird. So hast du über die Saison einen gleichmäßigen Durchfluss.

Wie viel Propolis liefert ein Bienenvolk pro Jahr realistisch?

Ein durchschnittliches Volk liefert 50 bis 200 g Rohpropolis pro Jahr. Das ist deutlich weniger als Honig, aber der Aufwand ist auch geringer.

Die Menge hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Volksstärke. Starke Völker mit viel Bienenbesatz produzieren mehr. Kleine Ableger lohnen kaum.
  • Rasse. Dunkle Bienen (Apis mellifera mellifera) und Kärntner Bienen (Carniola) verkleben zwar unterschiedlich stark — gib vor der Investition acht, welche Rasse du hältst.
  • Standort. Zugige Standorte, Spalten zwischen Zargen und Holzbeuten mit natürlichem Spiel regen den Propolis-Eintrag an.
  • Beute-Typ. Holzbeuten werden stärker verkleben als Plastikbeuten. Aber auch in Kunststoffbeuten funktioniert das Gitter, weil der Propolis-Eintrag vom Zugluft-Reiz abhängt, nicht vom Material der Beute selbst.

Mit zwei bis drei Gitter-Erntedurchgängen pro Saison (Frühjahr, Sommer, Herbst) holst du das Maximum heraus. Ein Gitter pro Volk reicht für den Anfang.

Wie wird Rohpropolis aufbereitet und gelagert?

Rohpropolis enthält neben dem eigentlichen Harz Wachsanteile, Holzteile, Bienenteile und Staub. Vor dem Verkauf oder der Weiterverarbeitung solltest du es reinigen.

Grobe Reinigung: Das Sieben direkt nach dem Einfrieren entfernt den größten Teil der Verunreinigungen.

Feinreinigung (optional): Löse den Rohpropolis in hochprozentigem Alkohol (70–96 %). Lass die Lösung filtern und den Alkohol verdunsten. Übrig bleibt gereinigtes Propolis-Granulat oder -Harz.

Trocknen: Lagere Rohpropolis niemals feucht. Feuchte Brocken schimmeln. Breite die frischen Brocken auf Backpapier aus und lass sie einen Tag an der Luft trocknen. Erst wenn die Oberfläche trocken und nicht mehr klebrig ist, abfüllen.

Lagern: Trocken, dunkel und kühl — idealerweise unter 15 °C. Im Tiefkühlschrank hält Rohpropolis mehrere Jahre. Licht und Wärme beschleunigen den Abbau der enthaltenen Verbindungen.

Verpackung: Verwende Gläser oder Kunststoffbehälter mit dichtem Deckel. Propolis haftet an Plastikfolie und kann schwer wieder abgelöst werden. Gläser mit Schraubdeckel oder Blechdosen sind daher besser geeignet als Beutel.

Wer seinen Honig ebenfalls vermarktet, findet in Honig und Met selbst herstellen weitere Tipps zur Produktaufbereitung im Imkerbetrieb.

Darf ich als Imker Rohpropolis verkaufen — was ist rechtlich erlaubt?

Ja, Rohpropolis darfst du als Naturprodukt direkt vermarkten. Allerdings gelten klare Grenzen, die du kennen musst.

Was erlaubt ist:

  • Verkauf von Rohpropolis als naturbelassenes Bienenprodukt (Direktvermarktung, Markt, Online-Handel).
  • Propolis-Tinktur aus eigenem Rohpropolis für den Eigengebrauch herstellen.

Was eine eigene Zulassung braucht:

  • Kapseln, Tabletten, Tropfen — das sind Nahrungsergänzungsmittel nach der NemV. Wer sie herstellt und verkauft, muss das beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anzeigen.
  • Salben, Cremes, Lippenpflege — Kosmetika unterliegen der Kosmetik-Verordnung (EU) Nr. 1223/2009 und müssen vor dem Inverkehrbringen eine Sicherheitsbewertung durchlaufen.
  • Extrakte und Konzentrate, die du als fertige Zubereitungen anbietest, fallen je nach Aufmachung unter Kosmetik, Nahrungsergänzungsmittel oder sogar Arzneimittelrecht.

Keine Heilversprechen: Wer Propolis mit Wirkungsaussagen bewirbt (z. B. „wirkt gegen Bakterien” oder „stärkt das Immunsystem”), verstößt gegen das Heilmittelwerbegesetz (HWG). Das gilt auch für Etiketten, Social-Media-Posts und den eigenen Webshop.

Kennzeichnung: Rohpropolis brauchst du als Naturprodukt weniger aufwändig zu kennzeichnen als Honig. Trotzdem muss die Verpackung deinen Namen, die Menge und — beim Versand — deine Adresse tragen. Für Lebensmittel-Labels allgemein empfiehlt sich ein Blick auf label.hofwerk.at, das Imkern beim LMIV-konformen Etikettieren hilft.

AT: In Österreich gelten grundsätzlich dieselben EU-Regeln. Beim Direktverkauf auf Märkten und ab Hof gibt es keine Anmeldepflicht für Rohpropolis als solches — aber auch hier greifen die Verbote für Gesundheitsversprechen und Fertigprodukte.

Welchen Preis kann ich für Rohpropolis erzielen?

Rohpropolis ist ein Nischenprodukt. Die Preisspanne ist groß — und hängt stark von Qualität und Vermarktungsweg ab.

Übliche Richtwerte im Direktverkauf und Online-Handel (DE, 2024–2026):

  • Rohpropolis, grob gesiebt: 15–25 Euro pro 100 g
  • Rohpropolis, sauber gereinigt / Granulat: 25–50 Euro pro 100 g
  • Großmengen an Händler (50 g und mehr): deutlich niedrigere Kilopreise, häufig 80–180 Euro pro kg für Rohware — lohnt nur bei großem Betrieb

Zum Vergleich: Bienenwachs bringt im Direktverkauf meist 10–20 Euro pro kg. Propolis liegt also pro Gramm weit höher, aber die Mengen sind viel kleiner. Mehr zur Kalkulation von Imker-Produkten findest du in Honig-Preis richtig kalkulieren.

Was den Preis nach oben treibt:

  • Ansprechende Verpackung mit klarer Herkunftsangabe
  • Zertifizierung (Bio, regionaler Verband)
  • Sauber gereinigtes Granulat statt roher Platten
  • Direktverkauf statt Großhandel

Was den Preis drückt:

  • Verunreinigungen (Wachs, Holzsplitter)
  • Unbekannte Herkunft
  • Feuchte oder unsauber gelagerte Ware

Was darf ich aus Propolis herstellen und was nicht?

Die Grenze hängt daran, wie das Endprodukt aufgemacht und beworben wird.

Ohne zusätzliche Zulassung erlaubt:

  • Rohpropolis als Naturprodukt verkaufen (s. oben)
  • Propolis-haltiges Bienenwachs (z. B. für Verarbeiter)

Mit Anmeldung beim BVL erlaubt (Nahrungsergänzungsmittel):

  • Kapseln oder Tropfen, wenn du sie als Lebensmittel anbietest und keine Gesundheitsaussagen machst
  • Die Rezeptur muss sicher sein (keine verbotenen Stoffe, Höchstmengen einhalten)

Nur mit aufwändiger Zulassung (Kosmetik):

  • Lippenpflege, Salbe, Creme mit Propolis
  • Du brauchst eine Produktsicherheitsbewertung durch einen zugelassenen Sicherheitsbewerter und eine Responsible Person (RP), die das Produkt bei CPNP (EU-Kosmetik-Portal) notifiziert

Nicht erlaubt (ohne Arzneimittelzulassung):

  • Produkte, die du explizit als Heilmittel gegen Krankheiten bewirbst
  • Produkte, bei denen durch Aufmachung oder Werbung der Eindruck entsteht, sie hätten eine therapeutische Wirkung

Das klingt komplex, aber für die meisten Hobby- und Kleinimker gilt: Rohpropolis in sauberer Verpackung, ohne Heilversprechen, ist der unkomplizierteste Einstieg. Wer unsicher ist, fragt bei der zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörde des Landkreises nach — die beraten kostenlos.

Wer neben Propolis auch Wachs vermarktet, findet in Bienenwachs verkaufen als Imker einen Überblick über Preise, Abnahme und Anforderungen.

Häufige Fragen

Welches Gitter eignet sich am besten für die Propolis-Ernte?
Kunststoff-Propolisgitter mit 3–4 mm Schlitzweite. Die Bienen verkleben die Schlitze zuverlässig, und das Gitter lässt sich leicht einfrieren.
Wie viel Propolis liefert ein Bienenvolk im Jahr?
Realistisch 50–200 g Rohpropolis pro Volk und Jahr. Starke Völker in günstiger Trachtlage können bis 300 g erreichen.
Darf ich Propolis als Lebensmittel verkaufen?
Rohpropolis darfst du als Naturprodukt verkaufen. Fertigprodukte wie Kapseln, Salben oder Extrakte gelten als Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetik und brauchen eine eigene Zulassung.
Welchen Preis erzielt Rohpropolis beim Direktverkauf?
Je nach Qualität und Region 20–50 Euro pro 100 g. Gereinigtes Granulat erzielt höhere Preise als rohe Platten.
Wie lagere ich geerntetes Rohpropolis richtig?
Trocken, dunkel und kühl bei unter 15 °C. Im Tiefkühlschrank hält Propolis mehrere Jahre ohne Qualitätsverlust.

Quellen

  1. Deutsches Bienen-Institut Celle — Bienenprodukte
  2. Österreichischer Imkerbund — Propolis
  3. BLE — Bienenprodukte Direktvermarktung

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Hinweis: Dieser Artikel ist eine redaktionelle Zusammenfassung öffentlich zugänglicher Quellen, keine Steuer- oder Rechtsberatung. Angaben zu Kennzeichnungspflichten basieren auf der jeweils zitierten Fassung der Honigverordnung, des LMIV (EU 1169/2011) und nationaler Umsetzungsgesetze. Vor Produktionsentscheidungen empfehlen wir Rücksprache mit der zuständigen Landwirtschaftskammer oder einem Lebensmittelrechtler. Stand der hier zitierten Quellen: 20. Juni 2026.