Wie fange ich einen Bienenschwarm ein? Du sprühst die Traube mit Wasser ein, schüttelst sie mit einem kräftigen Ruck in eine Schwarmkiste und lässt den Rest einlaufen. Die Bienen sind beim Schwärmen friedlich. Sitzt die Königin in der Kiste, ziehen alle nach. Abends holst du den Schwarm ab.
Warum schwärmen Bienen überhaupt?
Das Schwärmen ist keine Laune und kein Fehler. Es ist die natürliche Vermehrung des Bienenvolks. Ein gesundes Volk teilt sich, statt nur einzelne Bienen nachzuziehen. So entstehen aus einem Volk zwei.
Die Schwarmzeit beginnt meist Ende April und zieht sich durch Mai und Juni. Wird es dem Volk im Frühjahr zu eng, ziehen die Bienen Weiselzellen — also neue Königinnen — heran. Kurz bevor die erste junge Königin schlüpft, verlässt die alte Königin mit etwa der Hälfte des Volkes den Stock. Das sind oft 10.000 bis 20.000 Bienen auf einmal.
Diese Masse sammelt sich zuerst in der Nähe, häufig an einem Ast oder einer Hecke. Dort wartet der Schwarm, während Spurbienen eine neue Behausung suchen. Dieser Zwischenstopp ist deine Chance: Genau jetzt lässt sich der Schwarm einfangen, bevor er endgültig wegfliegt.
Wer sein Volk gut kennt, sieht das Schwärmen kommen. Volle Brutnester, viele Drohnen und angelegte Weiselzellen sind klare Zeichen. Mehr über den Aufbau und die Pflege eines gesunden Volks findest du in unserem Artikel Bienenvolk und Imker.
Wie erkenne ich einen Bienenschwarm?
Einen Schwarm in der Luft verwechselst du mit nichts. Eine dunkle, summende Wolke aus Tausenden Bienen zieht über den Garten. Das wirkt bedrohlich, ist es aber nicht. Nach wenigen Minuten setzt sich die Wolke an einem festen Punkt ab.
Dann bildet sich die typische Schwarmtraube: ein dichter, hängender Klumpen aus Bienen, oft so groß wie ein Fußball oder ein Kürbis. Die Traube hängt an einem Ast, einem Zaunpfahl, einer Mauer oder manchmal sogar am Boden. In der Mitte sitzt die Königin, geschützt von ihren Bienen.
Ein Schwarm ist in dieser Phase auffällig sanft. Die Bienen haben sich vor dem Auszug mit Honig vollgesogen und tragen Vorräte für rund drei Tage im Gepäck. Sie haben kein Nest und keine Brut zu verteidigen. Deshalb stechen sie kaum. Mit Schleier und ruhiger Hand kannst du dich gefahrlos nähern.
Imker unterscheiden zwei Arten. Der Vorschwarm zieht mit der alten, begatteten Königin aus und ist meist der größte. Bricht das Volk danach noch weiter auf, folgen kleinere Nachschwärme mit jungen, noch unbegatteten Königinnen. Nachschwärme sind kleiner, flatteriger und ziehen oft schon nach kurzer Rast weiter. Wer einen Schwarm einfängt, sollte das im Kopf haben — ein winziger Nachschwarm braucht im Frühjahr besonders viel Pflege, um noch durchzustarten.
Wichtig ist das schnelle Handeln. Eine Schwarmtraube bleibt nur Stunden bis maximal zwei, drei Tage hängen. Sobald die Spurbienen eine Höhle gefunden haben, fliegt der ganze Schwarm los — und ist weg.
Wie fange ich einen Schwarm sicher ein?
Mit dem richtigen Werkzeug ist das Einfangen unkompliziert. Du brauchst eine Schwarmkiste oder einen großen Eimer mit Deckel und Lüftungsgitter, einen Wassersprüher, einen weichen Bienenbesen und deinen Schleier. Eine Lockwabe oder eine alte, dunkle Wabe in der Kiste hilft, die Bienen zu halten.
Sprühe die Traube zuerst leicht mit Wasser ein. Die Tropfen beschweren die Flügel, die Bienen rücken enger zusammen und können nicht sofort auffliegen. Übertreib es nicht — ein feiner Nebel reicht, ertränken sollst du sie nicht.
Hängt der Schwarm an einem freien Ast, hältst du die Kiste direkt darunter. Dann ein kräftiger, ruckartiger Schlag oder Schüttler am Ast — die Traube fällt als Klumpen in die Kiste. Den Rest fegst du mit dem Besen sanft hinterher. Deckel locker auflegen, damit Luft bleibt.
Sitzt der Schwarm am Boden oder breit verteilt, geht es anders. Stelle die Kiste mit dem Eingang davor und kehre die Bienen vorsichtig hinein. Oder du suchst die Königin und setzt sie gezielt in die Kiste — die anderen folgen ihr von selbst.
Der entscheidende Punkt ist immer die Königin. Hast du sie erwischt, ziehen die umherfliegenden Bienen nach und sammeln sich in der Kiste. Bleibt die Traube nach dem Abschlagen unruhig und sammelt sich wieder am alten Ort, hast du die Königin verfehlt. Dann wiederholst du den Vorgang einfach.
Lass die Kiste mit leicht geöffnetem Flugschlitz bis zum Abend am Fangort stehen. So finden auch die letzten Flugbienen hinein. Erst wenn es dämmert und alle drin sind, nimmst du den Schwarm mit.
Am besten beugst du dem Schwärmen ohnehin vor. Wer im Frühjahr regelmäßig nach Weiselzellen schaut, dem Volk rechtzeitig Platz gibt und einen Ableger bildet, hält die Schwarmlust im Zaum. Ganz verhindern lässt sich das Schwärmen aber nie — es liegt in der Natur der Biene. Eine fertige Schwarmkiste sollte daher in der Saison immer griffbereit im Schuppen stehen.
Wie logiere ich den Schwarm in eine Beute ein?
Vor dem Einlogieren steht die sogenannte Kellerhaft. Stelle die Schwarmkiste über Nacht an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort — Keller oder Schuppen. Die Dunkelheit beruhigt den Schwarm und verhindert, dass er gleich wieder auszieht. Am nächsten Abend logierst du ihn in die fertige Beute ein.
Bereite die Beute mit Mittelwänden und mindestens einer ausgebauten Wabe vor. Diese Wabe wirkt wie ein Anker und weckt den Brutpflegetrieb. Für das Einlogieren gibt es zwei bewährte Wege.
Beim Einschlagen öffnest du die Beute, nimmst ein paar Rähmchen heraus und schüttest die Bienen mit einem Ruck aus der Kiste hinein. Dann schiebst du die Rähmchen vorsichtig zurück Richtung Flugloch und schließt die Beute.
Schöner anzusehen ist das Einlaufen. Du legst ein helles Tuch oder Brett als Rampe vor das Flugloch und gießt die Bienen darauf aus. Dann beginnt eine eindrucksvolle Prozession: Die ganze Masse wandert in einer halben bis ganzen Stunde von selbst ins Flugloch. Die Königin läuft mitten im Strom mit ein. Sobald sie drin ist, recken viele Bienen den Hinterleib hoch und sterzeln — sie weisen den Weg.
Füttern musst du frisch eingelogierte Schwärme meist nicht. Die mitgebrachten Vorräte reichen einige Tage, und zu frühes Futter bremst den Bautrieb. Nur bei langem Regen ohne Tracht gibst du etwas Flüssigfutter dazu. Wenn du gerade erst startest, lohnt sich vorher der Blick in unseren Einstieg Imker werden für Anfänger.
Was tun, wenn der Schwarm hoch hängt?
Nicht jeder Schwarm hängt bequem in Griffhöhe. Manche sitzen in fünf, sechs Metern Höhe in einem Baum. Dann wird es kniffliger, aber lösbar.
Ein bewährtes Hilfsmittel ist das Schwarmfangrohr. Das ist ein leichtes Rohr mit einem Trichter und einem Auffangbeutel oder Nylonstrumpf am Ende. Du stößt es von unten gegen die Traube, die Bienen fallen in den Beutel. Mit etwas Übung holst du so auch hohe Schwärme herunter.
Eine andere Möglichkeit ist die angebundene Schwarmkiste. Du befestigst die Kiste mit einer Lockwabe möglichst nah unter der Traube und schlägst den Ast von oben ab oder lockst die Bienen mit Schwarmlockmittel. Etwas Geduld gehört dazu.
Reicht beides nicht, ruf einen erfahrenen Imker aus dem Verein. Viele haben Teleskopstangen und Routine mit hohen Schwärmen. Bei wirklich unerreichbaren Schwärmen kann die Feuerwehr mit Drehleiter helfen. Kläre vorher, ob das kostenlos ist — manche Wehren verlangen eine Gebühr. Klettere niemals selbst waghalsig auf wackligen Leitern herum. Ein verlorener Schwarm ist ärgerlich, ein Sturz aus dem Baum deutlich schlimmer.
Wem gehört der Schwarm — was sagt das Schwarmrecht?
Das deutsche Recht regelt Bienenschwärme erstaunlich genau. Die Paragrafen 961 bis 964 BGB stehen seit über hundert Jahren im Gesetz. Wer sie kennt, vermeidet Streit.
Der Kern steht in § 961 BGB: „Zieht ein Bienenschwarm aus, so wird er herrenlos, wenn nicht der Eigentümer ihn unverzüglich verfolgt oder wenn der Eigentümer die Verfolgung aufgibt.” Im Klartext: Ein ausgezogener Schwarm gehört nur so lange dem alten Imker, wie er ihn sofort und ohne Unterbrechung verfolgt. Verliert er ihn aus den Augen oder gibt er auf, ist der Schwarm herrenlos — und darf von jedem gefangen und behalten werden.
Für die Verfolgung gibt § 962 BGB dem Eigentümer Rechte: Er darf fremde Grundstücke betreten, um seinem Schwarm nachzugehen. Ist der Schwarm in eine leere Bienenwohnung gezogen, darf er sie zum Einfangen öffnen. Entstehenden Schaden muss er allerdings ersetzen. In der Praxis heißt das: Sprich mit dem Nachbarn, bevor du über den Zaun steigst. Das Recht erlaubt das Betreten, aber ein kurzes Wort vorher erhält den Frieden.
Zwei Sonderfälle runden das Schwarmrecht ab. Vereinigen sich Schwärme mehrerer Imker, werden die verfolgenden Eigentümer nach § 963 BGB Miteigentümer am Gesamtschwarm. Zieht ein fremder Schwarm dagegen in eine bereits besetzte Bienenwohnung ein, erlischt laut § 964 BGB das Eigentum am eingezogenen Schwarm — die Bienen gehören dann dem, dem das besetzte Volk gehört. Diese Fälle sind selten, aber gut zu kennen.
Praktisch gilt: Findest du einen Schwarm und niemand verfolgt ihn aktiv, darfst du ihn einfangen und behalten. Ein gefundener Schwarm ist also oft ein geschenktes Volk. Was so ein Volk sonst kostet, rechnen wir dir in Was kostet ein Bienenvolk vor.
Imkerverein oder Feuerwehr — wen rufe ich an?
Du musst einen Schwarm nicht allein bändigen. Es gibt ein eingespieltes Netz von Helfern. Die erste Adresse ist der örtliche Imkerverein. Fast jeder Verein führt eine Liste von Schwarmfängern — erfahrene Imker, die kurzfristig kommen und den Schwarm gratis abholen. Viele Vereine sind über eine Telefonnummer oder eine Schwarmbörse im Netz erreichbar.
Auch wenn du selbst keine Bienen hast und nur einen Schwarm im Garten entdeckst, ist der Verein der richtige Draht. Bitte spritz so einen Schwarm niemals mit Wasser oder Gift ab. Honigbienen sind nützlich und schützenswert, und ein Imker freut sich über das Volk.
Die Feuerwehr rufst du nur, wenn wirklich Gefahr droht oder der Schwarm unerreichbar hoch sitzt. Viele Wehren vermitteln ohnehin an einen Imker weiter, statt selbst einzugreifen. Frag bei einem Einsatz nach möglichen Kosten.
Wichtig zur Abgrenzung: Wespen, Hornissen und Hummeln sind keine Honigbienen. Für die sind je nach Lage Imker, Schädlingsbekämpfer oder die Naturschutzbehörde zuständig. Hornissen stehen sogar unter besonderem Schutz. Bist du unsicher, ob es ein Bienenschwarm ist, schick dem Imkerverein ein Foto. Die Fachleute erkennen die Art sofort und schicken die richtige Hilfe.
Ein Schwarm wirkt im ersten Moment wild, ist aber eines der schönsten Erlebnisse in der Imkerei. Mit Wassersprüher, Schwarmkiste und ruhiger Hand fängst du ihn sicher, und mit der Kellerhaft ziehst du ihn ohne Drama in eine neue Beute ein. Behalte das Schwarmrecht im Hinterkopf, sprich mit deinen Nachbarn und hol dir im Zweifel den Verein dazu.
Du willst zur nächsten Schwarmzeit vorbereitet sein? In unserem Newsletter teilen wir praxisnahe Imker-Tipps übers Jahr — kurz, ehrlich und ohne Werbegeschwätz.