Einen Ableger bildest du, indem du aus einem starken Volk zwei bis drei verdeckelte Brutwaben mit ansitzenden Bienen plus eine Futterwabe entnimmst und in eine eigene Beute hängst. Das junge Volk zieht sich danach selbst eine Königin nach oder bekommt eine zugesetzt. Die beste Zeit dafür ist Mai bis Juni.
Warum solltest du überhaupt einen Ableger bilden?
Ableger bilden ist die einfachste Art, dein Bienenvolk zu vermehren. Statt einen Schwarm vom Baum zu fangen, nimmst du selbst ein paar Waben und baust daraus ein neues Volk. Du bestimmst, wann und aus welchem Volk. Das ist der Grund, warum fast jeder Imker im Frühsommer Ableger macht.
Es gibt vier handfeste Gründe dafür. Erstens die Vermehrung: Aus einem Volk werden zwei. Wer Verluste über den Winter ausgleichen will, braucht jedes Jahr Nachschub. Zweitens die Schwarmverhinderung. Nimmst du einem Volk im Mai Brut und Bienen weg, baust du den Schwarmtrieb ab. Das Volk denkt nicht mehr ans Ausziehen.
Drittens hilft der Ableger gegen die Varroamilbe. Ein frisch gebildeter Ableger hat bald eine Brutpause, weil die neue Königin erst legen muss. In dieser brutfreien Zeit sitzen alle Milben auf den Bienen und nicht in der Brut. Genau dann kannst du sie gut treffen. Viertens kannst du über den Ableger gezielt junge Königinnen heranziehen und alte Königinnen austauschen.
Wer noch ganz am Anfang steht, schaut am besten zuerst, wie ein Bienenvolk aufgebaut ist. Dann verstehst du leichter, was beim Teilen passiert.
Wann ist die beste Zeit zum Ableger bilden?
Die beste Zeit liegt zwischen Mai und Mitte Juni. In diesen Wochen sind die Völker stark, es gibt viel Brut und draußen blüht es. Genau das braucht ein junger Ableger, um schnell zu wachsen.
Wichtig ist die Begattung der jungen Königin. Sie muss auf ihrem Hochzeitsflug genug Drohnen finden. Drohnen fliegen erst ab dem späten Frühjahr in großer Zahl. Vorher ist eine Königinnen-Nachzucht riskant, weil die junge Königin unbegattet bleiben kann. Auch ein gutes Trachtangebot zählt: Wenn es draußen Nektar gibt, ist die Räuberei-Gefahr kleiner und der kleine Ableger bleibt in Ruhe.
Nach oben gibt es eine Grenze. Spätestens Mitte Juni solltest du einen normalen Brutableger gebildet haben. Wird es später, hat das junge Volk zu wenig Zeit, um bis zum Winter stark genug zu werden. Nach diesem Termin lohnt sich eher ein kräftiger Kunstschwarm mit viel Bienen statt ein magerer Brutableger.
Brutableger oder Sammelbrutableger — welche Methode passt?
Die zwei gängigsten Methoden sind der Brutableger und der Sammelbrutableger. Sie unterscheiden sich vor allem darin, aus wie vielen Völkern du Brut entnimmst.
Beim Brutableger nimmst du Brut aus einem einzigen Volk. Anfang Mai reicht oft schon eine Brutwabe, sicherer sind zwei bis drei verdeckelte Brutwaben plus eine Futterwabe. Dazu kommen ein paar leere Mittelwände zum Ausbauen. Diese Methode ist die einfachste für Anfänger, weil du nur ein Volk öffnen musst.
Der Sammelbrutableger zieht Brut aus mehreren Völkern zusammen. Pro Volk entnimmst du nur ein bis zwei Brutwaben, insgesamt kommen acht bis zehn Brutwaben zusammen. So schwächst du kein einziges Volk zu stark. Dieser dicke Ableger eignet sich gut als Pflegevolk, wenn du gezielt Königinnen ziehen willst. Für den ersten eigenen Ableger ist er aber meist zu viel des Guten.
Achte beim Entnehmen darauf, dass die Königin im Spendervolk bleibt. Schau jede Wabe genau an, bevor du sie umhängst. Eine versehentlich entnommene Königin macht beide Völker durcheinander.
Ein häufiger Anfängerfehler ist es, das Spendervolk zu stark zu schwächen. Nimm einem Volk nie mehr als zwei bis drei Brutwaben weg. Sonst bricht die Honigleistung ein und das Volk braucht lange, um sich zu erholen. Wähle als Spender immer das stärkste Volk am Stand. Ein schwaches Volk verkraftet die Entnahme schlecht und beide Teile bleiben klein.
Flugling oder Saugling — was ist der Unterschied?
Neben dem klassischen Brutableger gibt es zwei Sonderformen mit eigenen Namen: den Flugling und den Saugling. Beide nutzen ein bestimmtes Verhalten der Bienen aus.
Beim Flugling stellst du das alte Volk an einen neuen Platz im selben Stand. An den alten Standort setzt du eine leere Beute mit einer Brutwabe, einer Futterwabe und Mittelwänden. Alle Flugbienen kehren zum alten Platz zurück und ziehen in die neue Beute ein. So entsteht am alten Stand ein neues Volk voller Flugbienen, ganz ohne Transport. Das Altvolk behält dagegen die Königin und die Jungbienen.
Der Saugling funktioniert umgekehrt. Du setzt eine Zarge mit zwei bis vier offenen Brutwaben ohne ansitzende Bienen über ein starkes Volk. Getrennt wird sie mit einem Absperrgitter. Die offene Brut zieht innerhalb von ein bis zwei Stunden Jungbienen nach oben, die sich um sie kümmern. Diese Pflegebienen bilden dann den neuen Ableger. Danach bringst du die Zarge an einen weit entfernten Platz und gibst ihr eine Königin oder eine Weiselzelle.
Für den Einstieg ist der Flugling die einfachste der drei Varianten. Du brauchst keinen zweiten Standort und nutzt einfach den Heimflug der Bienen.
Königin zusetzen oder nachschaffen lassen?
Jeder Ableger braucht eine Königin. Dafür hast du zwei Wege: nachschaffen lassen oder eine fertige Königin zusetzen.
Beim Nachschaffen lässt du die Bienen selbst eine Königin ziehen. Dafür muss in den Brutwaben mindestens ein ganz junges Ei oder eine junge Larve sein. Die Bienen bauen daraus eine Weiselzelle, die rund am neunten Tag verdeckelt wird. Etwa 16 Tage nach dem Ei schlüpft die junge Königin. Danach braucht sie noch ein paar Tage bis zum Hochzeitsflug und zur ersten Eilage. Rechne insgesamt grob vier Wochen, bis du frische Brut siehst.
Schneller geht es mit einer zugesetzten Königin. Eine begattete Königin im Zusetzkäfig fängt fast sofort an zu legen. Das verkürzt die Brutpause stark und die Annahme klappt meist sehr zuverlässig. Eine fertige Weiselzelle einzulegen ist der Mittelweg: schneller als reine Nachschaffung, aber günstiger als eine gekaufte Königin.
Eines ist bei jeder zugesetzten Königin Pflicht: Der Ableger muss weisellos sein und darf keine eigene Weiselzelle bauen. Sonst töten die Bienen die neue Königin. Brich also vor dem Zusetzen alle angefangenen Weiselzellen aus.
Wie viele Waben und Bienen braucht ein Ableger?
Ein guter Standard-Ableger besteht aus zwei bis drei verdeckelten Brutwaben und einer Futterwabe. Dazu kommen ein bis zwei Mittelwände zum Ausbauen. Die verdeckelte Brut ist wichtig, weil daraus laufend junge Bienen schlüpfen, die das Volk aufbauen.
Bei den Bienen zählt die Menge. Die zwei bis drei Brutwaben sollten gut mit Bienen bedeckt sein. Weil viele Flugbienen später zum alten Stand zurückfliegen, gibst du sicherheitshalber Jungbienen von ein bis zwei zusätzlichen Waben dazu. Diese kehrst du vor die Beute ab. Junge Bienen bleiben, weil sie noch nicht eingeflogen sind.
Zu klein darf der Ableger nicht sein. Eine einzelne Brutwabe mit wenig Bienen kühlt aus und kommt schwer in Gang. Lieber etwas mehr Bienen mitgeben als zu wenig. Wer wissen will, was so ein Jungvolk am Markt wert ist, findet einen Überblick im Beitrag dazu, was ein Bienenvolk kostet.
Wohin mit dem neuen Standort — gilt die 3-Kilometer-Regel?
Ja, wenn der Ableger seine Bienen behalten soll, gilt die Faustregel von mindestens drei Kilometern. Stellst du ihn näher an das Spendervolk, fliegen die erfahrenen Flugbienen einfach zum alten Stand zurück. Dein Ableger wäre dann fast leer und nur die Jungbienen blieben übrig.
Bei drei bis fünf Kilometern Abstand ist das kein Problem. Die Flugbienen finden den Heimweg nicht und fliegen sich am neuen Platz neu ein. Nach etwa zwei Wochen haben sich die Bienen umorientiert. Dann darfst du den Ableger auch wieder näher heranholen, wenn du magst.
Es geht aber auch ohne weiten Transport. Beim Flugling bleibt der Ableger am alten Stand und bekommt die Flugbienen sogar absichtlich. Eine andere Möglichkeit: Du sperrst das Flugloch für ein paar Tage und stellst Wasser hinein, damit die Bienen den alten Platz vergessen. Diese Methode ist heikler und braucht Erfahrung. Für den Anfang sind drei Kilometer oder der Flugling die sicheren Wege.
Wie pflegst und fütterst du den jungen Ableger?
Ein frischer Ableger ist klein und kann sich noch nicht selbst versorgen. Darum musst du ihn füttern. Gib ihm Zuckersirup im Verhältnis eins zu eins, etwa ein bis zwei Liter je Gabe. Lass den Futterstrom in den ersten Wochen nicht abreißen. Eine volle Futterwabe gleich beim Bilden hilft zusätzlich über die erste Zeit.
Beim Füttern darfst du es aber nicht übertreiben. Lege ein paar dünne Zweige oder etwas Schwimmholz ins Futtergeschirr, damit keine Bienen ertrinken. Achte auch auf das Wetter: Bei kühlen Nächten engst du das Volk lieber auf wenige Waben ein, damit es die Brut warm halten kann.
Die erste große Kontrolle machst du etwa vier Wochen nach dem Bilden. Dann sollte die junge Königin legen. Siehst du frische Eier und kleine Larven, hat alles geklappt. Bis dahin lässt du das Volk möglichst in Ruhe, denn jede Störung kann die junge Königin gefährden. Erweitere danach Wabe für Wabe mit Mittelwänden, sobald das Volk wächst. Wer den Jahreslauf der Tracht im Blick behalten will, dem hilft ein Trachtkalender fürs Imkerjahr.
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Wie behandelst du Varroa im brutfreien Ableger?
Der größte Bonus eines Ablegers ist die Brutpause. Sobald die mitgegebene Brut geschlüpft ist und die neue Königin noch keine eigene Brut verdeckelt hat, ist das Volk brutfrei. Dieses Fenster liegt grob drei Wochen nach dem Bilden. Jetzt sitzen alle Milben auf den Bienen und du kannst sie mit einer einzigen Behandlung stark dezimieren.
Bewährt haben sich zwei Mittel: Milchsäure oder Oxalsäure. Beide sprühst du auf die Bienen, wenn das Volk brutfrei ist. Bei der Oxalsäure-Lösung benetzt du jede besetzte Wabenseite, hältst dich aber an die Dosierung auf dem Etikett. Auch Milchsäure wird Wabenseite für Wabenseite aufgesprüht, bei dieser im Abstand einiger Tage öfter. Trag dabei immer Handschuhe und Schutzbrille.
Wichtig ist der richtige Zeitpunkt. Behandle nur, solange wirklich keine verdeckelte Brut da ist. Sobald die neue Königin die ersten Zellen verdeckelt, sitzen die Milben wieder geschützt drin. Merke dir außerdem: Das Bilden allein senkt die Milbenzahl nicht genug. Erst die Kombination aus Brutpause und Behandlung bringt den großen Erfolg. Wer hier sauber arbeitet, hat im Herbst gesunde Jungvölker.
Du siehst: Ableger bilden ist kein Hexenwerk. Mit ein paar Brutwaben, etwas Futter und dem richtigen Zeitpunkt baust du dir jedes Jahr neue Völker auf. Mehr Grundlagen findest du in unserem Beitrag, wie man Imker wird.