Betriebe mit DIB-Glas-Signal auf der Website verlangen im Median 9 % weniger pro Kilo Honig als Betriebe mit Neutralglas. Die ewige Stammtisch-Frage “DIB-Glas oder Neutralglas?” bekommt damit erstmals echte Marktzahlen: Wir haben 138 Imker-Honigpreise ausgewertet und danach getrennt, ob eine Website das klassische DIB-Glas mit dem Gütezeichen “Echter Deutscher Honig” zeigt oder ein neutrales Glas ohne Verbandslogo.
Wer verlangt mehr — DIB-Glas oder Neutralglas?
Betriebe mit DIB-Glas-Signal lagen im Median bei 15,50 € pro Kilo, Betriebe mit Neutralglas bei 17,10 € pro Kilo. Das ist eine Differenz von rund 9 % — DIB-Glas-Betriebe verlangen im Median weniger, nicht mehr.
Median-Preis pro Kilogramm Honig · eigene Erhebung Juli 2026, n=138 Betriebe insgesamt
Die Spanne ist bei beiden Gruppen groß: DIB-Glas-Betriebe reichten von 13,50 € (p25) bis 20,60 € (p75), Neutralglas-Betriebe von 14,00 € (p25) bis 24,48 € (p75). Das obere Ende der Neutralglas-Gruppe liegt spürbar höher — ein erster Hinweis darauf, wer dort mitzählt.
Was ist das DIB-Glas überhaupt?
Das DIB-Glas ist ein einheitliches Pfand-Mehrweg-Glas, das der Deutsche Imkerbund (D.I.B.) als Verband anbietet. Wer es nutzt, darf unter bestimmten Voraussetzungen das geschützte Gütezeichen “Echter Deutscher Honig” führen — ein Qualitätssiegel mit eigenen Anforderungen an Herkunft und Verarbeitung. Das Neutralglas dagegen ist einfach jedes andere Honigglas ohne diesen Verbandsbezug — vom schlichten Standardglas bis zum individuell gestalteten Design-Glas mit eigenem Etikett — den kostendeckenden Preis dazu rechnest du nach der Honigpreis-Kalkulation.
Warum liegt der Preis bei DIB-Glas-Betrieben niedriger?
Hier ist Vorsicht geboten: Korrelation ist keine Kausalität. Die Daten zeigen einen Zusammenhang, aber keinen Beweis für eine Ursache. DIB-Glas-Nutzer sind in unserer Stichprobe oft traditionsorientierte Vereinsimker mit eher konservativen Preisen — historisch gewachsene Preisvorstellungen, oft am Ortsverein oder Nachbarschaftsverkauf orientiert. Die Neutralglas-Gruppe ist dagegen breiter gemischt: Sie enthält auch Premium-Vermarkter mit aufwendigen Design-Gläsern, eigener Marke und gezieltem Online-Vertrieb — Betriebe, die bewusst höhere Preise positionieren.
Das DIB-Glas kann außerdem andere Vorteile haben, die unsere Preis-Daten gar nicht erfassen: Wiedererkennung beim Kunden, das Vertrauen in einen bekannten Verbandsstandard oder die Einbindung ins lokale Vereinsleben. Ein niedrigerer Median-Preis heißt nicht, dass das DIB-Glas die schlechtere Wahl ist — er zeigt nur, wie die aktuelle Marktrealität in unserer Stichprobe aussieht.
Was kostet das Glas-Pfand beim DIB-Glas?
Als Mehrweg-System arbeitet das DIB-Glas typischerweise mit Pfand. In unserer Erhebung nannten Betriebe mit einer Pfand-Angabe im Median 0,50 € Glaspfand (n=13 Betriebe mit Pfand-Angabe, nicht ausschließlich DIB-Glas-Nutzer). Das ist ein zusätzlicher Kalkulationsposten, den du bei der Wahl zwischen Mehrweg- und Einweg-Glas mit einplanen solltest — sowohl beim Wareneinsatz als auch bei der Kommunikation gegenüber Kunden.
Was heißt das für deine eigene Glaswahl?
Die Zahlen sind eine Datenbeobachtung, kein Urteil. Ob DIB-Glas oder Neutralglas die richtige Wahl für deinen Betrieb ist, hängt von mehr ab als vom reinen Median-Preis: von deiner Zielgruppe, deiner Marke und davon, ob dir der Verbandsbezug wichtig ist. Wer sich für ein eigenes Design und höhere Preispositionierung entscheidet, sollte das konsequent im ganzen Auftritt umsetzen — Etikett, Website und Preis müssen zusammenpassen. Mehr dazu, wie du dich Schritt für Schritt durch die Pflichtangaben nach LMIV führen lässt, findest du im Artikel Honig kennzeichnen: Der Imker-Guide.
Welchen Preis du für dein eigenes Glas ansetzen kannst — unabhängig vom Glas-System — rechnet der kostenlose Honigpreis-Rechner von Hofwerk direkt online aus, inklusive Arbeitszeit, Gläser und Standkosten, ohne Zahlungsdaten.
Weitere echte Marktzahlen aus 138 Imkereien — nach Sorte, Glasgröße und Region — findest du im Honigpreis-Report 2026.
Datengrundlage: eigene Auswertung von 1.178 öffentlich erreichbaren Imker-Websites (Juli 2026), Honig-Preisbasis n=138 Betriebe mit Median-Aggregation je Betrieb. Es werden ausschließlich zusammengefasste Werte gezeigt, keine einzelnen Betriebe. Keine amtliche Statistik. Betriebsdaten teilweise aus OpenStreetMap (© OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL).