Ein Honig-Logbuch ist die Verbindung zwischen deiner Ernte und dem Glas beim Kunden. Wer Honig verkauft, muss nach EU-Recht nachweisen können, woher der Honig stammt und wohin er geliefert wurde. Ein Heft mit wenigen Spalten reicht dafür aus — aber der Inhalt muss stimmen und aktuell sein.
Was ist ein Honig-Logbuch und brauche ich es als Imker?
Ja, du brauchst es — sobald du Honig verkaufst. Die EU-Basisverordnung (EG) Nr. 178/2002 verpflichtet alle Lebensmittelunternehmer zur Rückverfolgbarkeit. Auch der Hobbyimker, der zehn Gläser auf dem Wochenmarkt verkauft, gilt rechtlich als Lebensmittelunternehmer — die Menge spielt dabei keine Rolle.
Was das konkret bedeutet: Du musst wissen, an wen du wann wie viel Honig abgegeben hast. Und du musst wissen, aus welcher Ernte das Produkt stammt. Ein „Logbuch” ist dabei kein amtlicher Begriff — manche nennen es Chargenbuch, Ernte-Dokumentation oder einfach Verkaufskladde. Der Name ist egal, der Inhalt zählt.
Wer gar nichts aufzeichnet, riskiert bei einer Kontrolle durch das Veterinäramt ernsthafte Probleme und Beanstandungen. Im schlimmsten Fall — einem echten Rückruffall — kann es ohne Dokumentation passieren, dass du alle verkauften Gläser zurückrufen musst, weil du die betroffene Charge nicht eingrenzen kannst.
Das Gute: Die Aufzeichnung muss nicht aufwändig sein. Ein einfaches Schulheft oder eine Tabellenkalkulation auf dem Rechner tun es vollkommen. Wichtig ist nur, dass du das Logbuch konsequent führst — am besten direkt nach jedem Schleudergang und nach jedem Markt.
Welche Angaben gehören in ein Honig-Logbuch?
Die wichtigsten Felder sind überschaubar. Ein solides Honig-Logbuch enthält:
Zur Ernte (je Charge):
- Datum der Schleuderung
- Standort oder Bienenstock (damit du weißt, aus welcher Gegend der Honig stammt)
- Honigart, soweit erkennbar (Blüten-, Wald-, Rapshonig usw.)
- Menge in Kilogramm
- Chargen- oder Losnummer (die später auf dem Etikett erscheint)
- MHD, das du diesem Honig gibst
Zum Verkauf:
- Datum des Verkaufs
- Abnehmer: Bei Endverbrauchern reicht „Direktverkauf Wochenmarkt” plus Menge und Datum. Bei Wiederverkäufern (Café, Hofladen) brauchst du Namen und Adresse.
- Verkaufte Menge
- Chargen- oder Losnummer, aus der das Glas stammt
Die Verknüpfung zwischen Charge und Verkauf ist der Kern. Wenn du ein Glas zurückrufen musst, willst du in zwei Minuten alle betroffenen Abnehmer finden — und nicht den ganzen Jahrgang zurückziehen.
Ein optionales, aber sehr nützliches Feld ist der Wassergehalt des Honigs bei der Abfüllung. Zu hoher Wassergehalt (über 18 %) kann zu Fermentation führen. Wenn du den Wert notierst, hast du im Streitfall einen Beleg dafür, dass du sorgfältig gearbeitet hast.
Mehr zur Losnummer auf dem Etikett selbst erklärt der Artikel zur Loskennzeichnung bei Honig.
Wie verknüpfe ich Logbuch, Charge und MHD?
Die Losnummer ist das Bindeglied. Sie erscheint auf dem Etikett — und im Logbuch findest du dazu alle Informationen zur Ernte.
Ein bewährtes System für kleine Betriebe: Die Charge bekommt eine kurze Nummer aus Jahr, Monat und laufender Nummer — zum Beispiel 2026-07-01 für den ersten Schleudergang im Juli 2026. Diese Nummer trägst du ins Logbuch ein (mit Standort, Menge, Honigart, MHD). Auf dem Etikett erscheint dieselbe Nummer, oft als „Los” oder „L” abgekürzt.
Das MHD legst du selbst fest. Für Honig sind in der Praxis zwei Jahre üblich, weil Honig bei sachgerechter Lagerung sehr lange haltbar ist. Die rechtliche Grundlage und wie du das MHD offiziell bestimmst, steht im Artikel zum MHD für Honig selbst festlegen.
Wichtig: MHD und Losnummer im Logbuch müssen zusammenpassen. Wenn du später einen Jahrgang teilweise umfüllst oder mit einem anderen Schleudergang mischt, musst du das als neue Charge mit neuer Losnummer dokumentieren — und das alte und neue Lot im Logbuch verknüpfen.
Wie hilft ein Logbuch bei einer Rückrufaktion?
Ein Rückruffall ist selten, aber er passiert. Kontaminierter Nektar (z. B. durch Pflanzenschutzmittel), Fermentation wegen zu hohem Wassergehalt oder ein Etikettierungsfehler können dazu führen, dass du Gläser zurückrufen musst.
Ohne Logbuch weißt du nicht, wer betroffene Gläser hat. Du rufst im schlechtesten Fall alle Gläser des ganzen Jahres zurück — auch wenn nur eine Charge betroffen ist. Das kostet Geld, Ruf und Nerven.
Mit einem sauberen Logbuch geht das so: Du findest die betroffene Losnummer. Im Logbuch stehen alle Verkäufe aus dieser Charge — mit Datum und, bei Wiederverkäufern, mit Adresse. Du informierst genau diese Personen. Privatverkäufe an Endverbraucher sind schwieriger nachzuverfolgen, aber du kannst zumindest eingrenzen, auf welchem Markt und wann die Gläser verkauft wurden.
Veterinärämter prüfen bei Kontrollen, ob diese Rückverfolgbarkeit grundsätzlich möglich ist. Ein vollständiges Logbuch zeigt, dass du das System verstehst und ernst nimmst.
Das Veterinäramt kann jederzeit anklopfen — bei Märkten, beim Direktversand oder wenn sich ein Kunde beschwert. Die Behörde prüft dann, ob du weißt, woher dein Honig kommt und wohin er ging. Kannst du das nicht belegen, drohen Beanstandungen und im schlimmsten Fall ein Verkaufsverbot, bis die Rückverfolgbarkeit nachgewiesen ist.
Für Imker, die ihren Honig auch im Versandhandel oder über Plattformen verkaufen, ist die Dokumentation noch wichtiger. Pakete gehen quer durch Deutschland oder nach Österreich. Namen und Adressen der Käufer habt ihr meist sowieso im System — verknüpft sie mit der Chargennummer. So könnt ihr im Rückruffall eine Liste ziehen, statt mühsam Bestellhistorien zu durchsuchen.
Reicht ein Heft oder brauche ich eine digitale Lösung?
Ein Heft reicht vollkommen aus. Es gibt keine gesetzliche Pflicht zur digitalen Dokumentation. Viele Imker führen seit Jahren ein einfaches Notizbuch — und das ist bei Kontrollen vollkommen akzeptiert, solange die nötigen Informationen vorhanden und gut lesbar sind.
Ein Schulheft hat einen klaren Vorteil gegenüber losen Blättern: Es ist gebunden und damit schwerer zu manipulieren. Behörden schätzen das. Wenn du doch lieber auf losen Seiten arbeitest, nummeriere die Seiten und kleide sie in einen Hefter — das verhindert versehentliche Lücken.
Ein Tabellenblatt (z. B. in LibreOffice Calc oder Excel) hat einen praktischen Vorteil: Du kannst schnell nach Charge oder Datum filtern. Das spart Zeit, wenn du im Rückruffall unter Druck stehst.
Wer Etiketten mit der Hofwerk-App erstellt, kann Chargeninformationen direkt beim Anlegen eines Etiketts hinterlegen. Die Losnummer erscheint dann automatisch auf dem fertigen Etikett und ist gleichzeitig im System gespeichert. Das reduziert Übertragungsfehler zwischen Logbuch und Etikett. Einen Überblick über alle Pflichtangaben auf dem Etikett selbst gibt der Imker-Leitfaden zur Honigkennzeichnung.
Egal ob Heft oder digitale Datei: Das Logbuch muss aktuell gehalten werden. Einmal im Monat „nachpflegen” führt zu Lücken. Am besten direkt nach jedem Schleudergang und nach jedem Marktverkauf eintragen.
Wie lange muss ich die Aufzeichnungen aufbewahren?
Die Faustregel lautet: so lange wie das längste MHD deiner Produkte, plus mindestens ein Jahr. Wenn dein letztes Glas ein MHD von 2028 hat, solltest du die dazugehörige Logbucheintragung bis mindestens 2029 aufbewahren.
Viele Veterinärämter empfehlen zwei Jahre nach Ablauf des MHD — das gibt dir Puffer, falls eine Beschwerde erst spät eingeht. In der Praxis sind das für Honig oft drei bis vier Jahre ab der Schleuderung, je nachdem welches MHD du vergeben hast.
Steuerlich gelten andere Fristen: In Deutschland sind Geschäftsunterlagen grundsätzlich zehn Jahre aufzubewahren. Auch wenn dein Honig-Verkauf im Kleingewerbe oder als Nebentätigkeit läuft, kann das für Einnahme-Überschuss-Rechnungen relevant sein. In Österreich gelten ähnliche steuerliche Aufbewahrungsfristen von sieben Jahren.
Praktischer Tipp: Führe für jedes Erntejahr einen eigenen Hefter oder eine eigene Datei. Wenn ein Jahrgang abgelaufen und die Aufbewahrungsfrist um ist, kannst du gezielt aussortieren — ohne das komplette Logbuch zu verlieren. Wer Platz spart, scannt alte Hefte ein und löscht das Papier erst nach Ablauf aller Fristen.