Beim Königin-Zeichnen bekommt jede Königin einen Farbpunkt auf den Brustpanzer — die Farbe richtet sich nach der Endziffer ihres Schlupfjahres, in einem festen Fünf-Jahres-Zyklus. 2026 ist die Farbe Weiß. So erkennst du das Alter jeder Königin auf einen Blick, findest sie schneller im Volk und merkst sofort, wenn dein Volk heimlich umgeweiselt hat.
Welche Farbe bekommt die Königin dieses Jahr?
Für 2026 ist die Jahresfarbe Weiß. Der Grund steckt in der Endziffer des Schlupfjahres: Jahre, die auf 1 oder 6 enden, bekommen Weiß — und 2026 endet auf 6. Wer 2026 eine Jungkönigin nachzieht oder eine begattete Königin zeichnet, setzt ihr also einen weißen Punkt.
Damit du nicht jedes Jahr neu rechnen musst, hier die kommenden Jahre auf einen Blick:
| Schlupfjahr | Jahresfarbe |
|---|---|
| 2024 | Grün |
| 2025 | Blau |
| 2026 | Weiß |
| 2027 | Gelb |
| 2028 | Rot |
| 2029 | Grün |
| 2030 | Blau |
Nach 2030 fängt der Zyklus wieder mit Weiß an. Entscheidend ist immer das Jahr, in dem die Königin geschlüpft ist — nicht das Jahr, in dem du sie zeichnest. Zeichnest du eine alte Königin erst später, bekommt sie die Farbe ihres Geburtsjahres, sonst stimmt die Alters-Information nicht mehr.
Wie funktioniert der internationale Farbcode?
Der Farbcode ist ein weltweit einheitlicher Fünferzyklus. Immer fünf Farben, immer in derselben Reihenfolge, gekoppelt an die letzte Ziffer des Schlupfjahres. So kann jeder Imker — auch bei einem fremden Volk — sofort ablesen, wie alt eine Königin ist.
| Endziffer des Schlupfjahres | Farbe |
|---|---|
| 1 oder 6 | Weiß |
| 2 oder 7 | Gelb |
| 3 oder 8 | Rot |
| 4 oder 9 | Grün |
| 5 oder 0 | Blau |
Das Lernportal Die Honigmacher (Anbieter: Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bienenkunde) zeigt den Zyklus an konkreten Jahren: „Die Farben wiederholen sich zyklisch: weiß (2006), gelb (2007), rot (2008), grün (2009), blau (2010), weiß (2011), gelb (2012), rot (2013), grün (2014) usw.“ (Stand der Seite: 17. März 2015). Man sieht: Nach fünf Jahren ist Weiß wieder an der Reihe. Die private Übersichtsseite code-knacker.de fasst es so zusammen: „Die Jahresfarben sind international einheitlich und wiederholen sich alle fünf Jahre in der gleichen Reihenfolge.“
Warum ausgerechnet fünf Farben? Die Antwort ist einfach und einleuchtend. Die Honigmacher schreiben dazu: „Es gibt fünf Farben, da eine Königin nie länger als fünf Jahre lebt.“ Fünf Farben reichen in der Praxis, weil Königinnen selten älter als fünf Jahre werden.
Wer sich die Reihenfolge nicht merken kann, nimmt eine Eselsbrücke. Auf Deutsch: „Weiß, gelb und rot grünen die Rosen vor blauem Himmel.“ Auf Englisch prägt man sich den Satz „Will You Raise Good Bees“ ein — White, Yellow, Red, Green, Blue. Beides gibt die Reihenfolge Weiß, Gelb, Rot, Grün, Blau wieder.
Warum überhaupt die Königin zeichnen?
Das Zeichnen hat zwei handfeste Vorteile, die dir bei jeder Durchsicht Zeit und Nerven sparen.
Erstens findest du die Königin schneller. Ein farbiger Punkt sticht aus Tausenden brauner Bienen sofort heraus. Statt Wabe für Wabe die Königin zu suchen, springt dir der Farbfleck ins Auge — gerade bei vollen Sommervölkern ein großer Unterschied. Die Praxis-Seite beeventure.de nennt genau diese beiden Nutzen: „zur besseren Auffindbarkeit im Bienenvolk und Nachvollziehbarkeit des Zuchtjahres“.
Zweitens liest du am Punkt das Alter ab. Die Farbe verrät dir das Schlupfjahr, ohne dass du in der Stockkarte blättern musst. Das hilft bei der Entscheidung, welche Königin du umweiselst: Ältere Königinnen legen weniger Eier (imkado) — und ohne Punkt weißt du gar nicht, wie alt deine ist.
Und es gibt einen dritten, oft unterschätzten Nutzen: den Farbpunkt als Frühwarnsignal. Findest du plötzlich eine unmarkierte oder anders gefärbte Königin, wo eigentlich dein weißer Punkt sitzen müsste, dann hat dein Volk still umgeweiselt — es hat heimlich eine neue Königin nachgezogen und die alte abgesetzt. Ohne Markierung würdest du das leicht übersehen. Mit Farbcode merkst du es beim ersten Blick. Mehr zum Zusammenspiel von Königin, Arbeiterinnen und Drohnen findest du im Aufbau eines Bienenvolks.
Wann ist der beste Zeitpunkt zum Zeichnen?
Hier gibt es zwei Schulen — je nachdem, ob du Hobbyimker bist oder in der Zucht arbeitest.
Für die meisten gilt die Regel für Hobbyimker: Zeichne erst, wenn die Jungkönigin begattet ist und mit der Eiablage begonnen hat. Die Eiablage ist dein Beweis, dass sie erfolgreich vom Begattungsflug zurückgekehrt ist. Zeichnest du zu früh, riskierst du eine Königin zu markieren, die auf dem Hochzeitsflug noch verloren geht. Praktisch ist das Frühjahr — im April sind die Völker klein und die Königin ist schneller gefunden. Die Honigmacher beschreiben für die Zuchtpraxis den umgekehrten Weg — dort wird meist direkt nach dem Schlupf gezeichnet; das setzt aber den geschlossenen Raum voraus, weil eine unbegattete Königin flugfähig ist.
Anders liegt der Fall in der Zucht und an der Belegstelle. Dort zeichnet man die Königin oft schon unbegattet, um sie von Anfang an dem Zuchtnachweis und der Zuchtkarte zuzuordnen. Das hat aber eine harte Bedingung: Eine unbegattete Königin ist flugfähig. Zeichne sie deshalb nur im geschlossenen Raum, sonst fliegt sie dir beim Fixieren davon. Wer neue Königinnen über Ableger heranzieht, findet das Vorgehen im Beitrag Ableger bilden.
Womit zeichnest du — Stift oder Opalithplättchen?
Es gibt zwei gängige Methoden, plus ein Hilfsmittel zum Festhalten. Welche zu dir passt, hängt von Aufwand und Anspruch ab.
| Kriterium | Markierstift | Opalithplättchen |
|---|---|---|
| Aufwand | gering, sofort einsatzbereit | höher (Leim, Trockenzeit) |
| Nummerierung | nein | ja (meist 1–99) |
| Handhabung | einfachster Einstieg | braucht etwas Übung |
| Für Anfänger | ideal | machbar, aber fummeliger |
Der Markierstift ist der schnellste Weg. Nimm einen wasserbasierten Markierstift für Bienenköniginnen und prüf die Herstellerangaben zu Inhaltsstoffen und Lösungsmitteln. Du tupfst einen kleinen Punkt auf, er trocknet fix und du bist fertig. Für die meisten Hobbyimker ist das die richtige Wahl. Ein Stiftpunkt kann über die Jahre durch das Putzverhalten der Bienen verblassen — nachzeichnen ist dann aber schnell erledigt.
Das Opalithplättchen ist ein kleines, nummeriertes Kunststoffplättchen, das du mit Zeichenleim oder Schellack auf den Thorax klebst. Nach dem Aufsetzen drückst du es rund zehn bis fünfzehn Sekunden mit einem Zahnstocher an. Der Vorteil: die Nummer. Bei mehreren gleichaltrigen Königinnen kannst du so jede eindeutig einer Linie, Herkunft oder Zuchtkarte zuordnen. Die Farbe zeigt das Jahr, die Nummer die Königin.
Zum sicheren Festhalten gibt es zwei Helfer. Das Zeichenröhrchen ist ein Rohr mit Gitter an einem Ende und einem Weichschaum-Stempel am anderen: Du fängst die Königin ein, der Stempel drückt sie sanft gegen das Gitter, ihr Brustpanzer ragt zum Zeichnen durch. Der Einhand-Fangclip klemmt die Königin locker fest, sodass eine Hand frei bleibt. Beides schützt die Königin und deine Nerven.
Wie zeichnest du die Königin Schritt für Schritt?
Wenn du die Königin gefunden und fixiert hast, geht es schnell. Wichtig ist die richtige Stelle für den Punkt.
Der Farbpunkt kommt mittig auf den Brustpanzer (Thorax), zwischen Kopf und Hinterleib, etwa 2 mm groß. Niemals auf Flügel, Kopf, Beine oder Hinterleib. Die Honigmacher beschreiben es so: „Beim Zeichnen wird der Königin meist ein kleines Plättchen auf die Oberseite der Brust (Thorax) geklebt. Das Plättchen ist klein, rund und leicht, so dass die Königin dadurch in ihren Bewegungen nicht behindert wird.“ Dasselbe gilt für den Stiftpunkt: klein, mittig, leicht.
In fünf Schritten:
- Fixieren: Königin mit Fangclip oder Zeichenröhrchen sanft festhalten, Brustpanzer frei.
- Farbe wählen: Endziffer des Schlupfjahres bestimmen — 2026 ist Weiß.
- Punkt setzen: kleinen Punkt mittig auf den Thorax, beim Plättchen zehn bis fünfzehn Sekunden andrücken.
- Antrocknen lassen: kurz warten, damit nichts verschmiert, dann die Königin ruhig zurücksetzen.
- Notieren: Schlupfjahr und Farbe in die Stockkarte eintragen.
Wer das Schlupfjahr einmal notiert, muss die Farbe nie wieder ausrechnen: In der Völkerverwaltung von Hofwerk trägst du je Volk die Königin mit Schlupfjahr ein und führst die Stockkarte digital — kostenlos bis 5 aktive Völker, ohne Zahlungsdaten. So hast du Schlupfjahr, die daraus abgeleitete Jahresfarbe und deine Notizen je Volk an einem Ort, auch für dein nächstes Bienenvolk.
Ist das Zeichnen schädlich für die Königin?
In der imkerlichen Praxis gilt das Zeichnen als schonend, wenn es sauber gemacht wird. Es kommt aber auf die Ausführung an.
Halte dich an drei einfache Regeln. Erstens: Farbe oder Leim gehören nur auf den Brustpanzer, nie auf Flügel, Beine oder Hinterleib — sonst kann die Königin in ihrer Beweglichkeit leiden. Zweitens: wenig Farbe, ein kleiner Punkt reicht; ein dicker Klecks trocknet schlecht und klebt an Nachbarbienen fest. Drittens: bei unbegatteten Königinnen nur im geschlossenen Raum arbeiten, weil sie sonst wegfliegen.
Nutze wasserbasierte, ungiftige Farben. Von Lösungsmittel-Stiften solltest du die Finger lassen. Und lass den Punkt kurz antrocknen, bevor du die Königin zurück ins Volk gibst — so wischt sich nichts ab und die Arbeiterinnen nehmen sie gleich wieder an.
Nicht zu verwechseln ist das Zeichnen mit dem Flügelstutzen (dem Kürzen eines Flügels gegen das Schwärmen). Das ist ein anderes Thema — und in der ökologischen Bienenhaltung ausdrücklich verboten: „Verstümmelungen wie das Beschneiden der Flügel von Weiseln sind verboten“ (VO (EU) 2018/848, Anhang II Teil II Nr. 1.9.6.4 lit. b — „Tierschutz“; Rechtsstand Juli 2026). Fürs reine Alterablesen und Wiederfinden brauchst du es nicht — der Farbpunkt genügt.
Wer diese Regeln beachtet, hat mit ein paar Cent Farbe und einer Minute Arbeit ein Werkzeug, das über Jahre trägt: Alter ablesen, Königin schneller finden und stille Umweiselung sofort erkennen.
Dieser Beitrag gibt den Stand der öffentlich zugänglichen Quellen vom 28. Juli 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung.