Honig online zu verkaufen lohnt sich für Imker, die ihren Absatz über den direkten Umkreis hinaus ausdehnen wollen — vorausgesetzt, du rechnest Versand und Plattformkosten ehrlich ein. Welcher Kanal passt, hängt von deinem Volumen, deiner Zeit und deinem Preisniveau ab.
Lohnt sich der Online-Verkauf von Honig überhaupt?
Ja — wenn du realistisch kalkulierst. Der Online-Kanal öffnet dir Kunden außerhalb deines Dorfes, erlaubt Stammkunden auch nach dem Umzug weiter zu bestellen und macht deinen Honig für Leute sichtbar, die aktiv nach regionalem Imker-Honig suchen. Gleichzeitig frisst jede Bestellung Zeit (packen, Label drucken, zur Post fahren) und Geld (Verpackung, Porto, Plattformgebühr). Wer 250 g Honig für 3 € verkauft und 5 € Versand draufschlägt, verliert Kunden — oder macht Verlust. Lohnenswert ist der Online-Weg vor allem für Imker, die bereits mehr produzieren als sie lokal absetzen können, und die bereit sind, das Glas mit 500 g oder 1 kg anzubieten, nicht in Kleinstmengen.
Zur grundsätzlichen Planung lies auch Honig verkaufen — was Imker wissen müssen.
Welche Plattformen gibt es für Imker — eBay, Etsy, Amazon?
Jede Plattform hat ein anderes Publikum und andere Kosten.
Imker-Plattformen wie nearBees sind speziell für Direktvermarktung gebaut. Du legst ein Profil an, Käufer suchen regional, der Aufwand ist gering. Für Imker, die wenig technischen Aufwand wollen und regionale Kunden ansprechen, ist das oft der einfachste Einstieg.
Etsy zieht Käufer an, die Wert auf Handwerk und Herkunft legen. Honig mit besonderer Tracht, Rohhonig oder Bio-Honig passt gut ins Sortiment. Etsy verlangt eine Einstellgebühr je Artikel (aktuell 0,20 USD) plus rund 6,5 % Transaktionsgebühr und Zahlungsgebühren. Insgesamt rechne mit 10–13 % Plattformkostenanteil je Verkauf.
eBay hat die größte Reichweite, aber auch viel Preisdruck. Fertig-Honig aus Großhandel konkurriert dort direkt mit deinem Produkt. Als Privatanbieter kannst du mit 0 % Verkaufsprovision beginnen, aber das Limit liegt niedrig. Gewerblich werden 8–10 % fällig. eBay eignet sich für größere Gebinde oder seltene Sorten, nicht für Standard-Waldhonig unter 10 € je Glas.
Amazon ist für Einzel-Imker meist nicht geeignet. FBA (Fulfillment by Amazon) erfordert Lagergebühren und Mindestmengen, die ein kleiner Betrieb kaum abbilden kann. Der Amazon Marketplace ohne FBA ist aufwendig zu pflegen, Bewertungen kommen langsam und die Plattformgebühren liegen oft über 15 %. Für Imker mit unter 500 kg Jahresernte lohnt sich der Aufwand nicht.
Eigener Online-Shop oder Verkaufsplattform: Was ist besser?
Für den Einstieg: Plattform. Ein eigener Shop (Shopify, WooCommerce, Jimdo Shop) kostet monatliche Gebühren (10–30 €), erfordert eigene Reichweite über SEO oder Social Media, und du musst Rechtssicherheit selbst sicherstellen (Impressum, Widerrufsrecht, Datenschutz). Dafür zahlst du keine Provision auf jeden Verkauf und baust deine eigene Kundenliste auf.
Die Faustregel: Plattform bis zu 50–100 Bestellungen im Jahr; ab da lohnt sich der eigene Shop, weil die gesparten Provisionen die Fixkosten übersteigen. Wer einen eigenen Shop baut, braucht auch eine eigene SEO-Strategie — Suchmaschinen schicken keinen Traffic ohne Arbeit.
Ein Hybrid funktioniert gut: Plattform für Neukunden, eigener Shop für Stammkunden und Wiederbestellungen.
Was kostet mich der Versand und frisst er die Marge?
Das ist das unterschätzte Problem beim Honig-Versand. Ein Glas 500 g Honig bringt auf der Waage bereits rund 600 g Glasgewicht mit — plus Deckel, Polstermaterial und Karton kommst du schnell auf 900 g bis 1,2 kg je Glas. Zwei Gläser a 500 g landen damit jenseits 2 kg.
Aktuelle Richtwerte für DHL 2026 (Privatkunden, können je nach Vertrag abweichen):
- Päckchen S (bis 1 kg): ca. 3,99 €
- Päckchen M (bis 2 kg): ca. 4,99 €
- Paket (bis 5 kg): ca. 5,49 €
Dazu kommen Karton und Polstermaterial. Schaumstoffpolster oder Luftpolsterfolie kostet je Karton 0,30–0,80 €. Glasbruch ist das größte Risiko: ein einziges gebrochenes Glas mit Kundenerstattung und Neuversand frisst den Gewinn von zehn Bestellungen. Doppelte Wickelung in Luftpolsterfolie plus feste Außenkartons sind kein Luxus, sondern Mindeststandard.
Für ein Glas 500 g mit 8 € Verkaufspreis + 4,50 € Versandpauschale (die du dem Kunden berechnest) sieht die Rechnung so aus: 8 € Erlös minus Plattformgebühr 1 €, minus Verpackung 0,60 €, minus Porto 4,50 € = 1,90 € Deckungsbeitrag. Nicht viel. Größere Gebinde (1 kg, 2 kg) oder Mindestbestellwerte (ab 2 Gläser) verbessern die Marge deutlich.
Welche Rechtspflichten gelten beim Online-Verkauf von Honig?
Beim Online-Verkauf kommen zu den Lebensmittelvorschriften zusätzliche Fernabsatz-Pflichten dazu.
Du brauchst zwingend ein Impressum mit vollständiger Adresse und erreichbarer Kontaktmöglichkeit. Dazu eine Datenschutzerklärung (DSGVO), wenn du auch nur Cookies oder Kontaktformulare nutzt.
Kunden haben beim Online-Kauf ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Das gilt auch für Lebensmittel, die noch nicht geöffnet sind. Du musst die Widerrufsbelehrung vor dem Kauf sichtbar anzeigen und das Formular bereitstellen.
Bei Allergenen bist du zur Kennzeichnung verpflichtet — bei Honig betrifft das vor allem Pollen (Allergiker-Hinweis je nach Sorte). Was auf dem Etikett stehen muss, regelt die Honigverordnung zusammen mit der LMIV.
Beim Fernabsatz musst du außerdem Preis inklusive Mehrwertsteuer ausweisen und die Versandkosten klar angeben, bevor der Kunde bestellt.
Wie sieht ein gutes Honig-Produktfoto aus?
Das Foto entscheidet, ob geklickt wird. Honig hat den Vorteil, dass er von Natur aus fotogen ist — du musst ihn nur richtig in Szene setzen.
Natürliches Seitenlicht (Fenster) macht Honig durchsichtig-golden. Direktes Blitzlicht von vorne flacht die Farbe ab und lässt das Glas reflektieren. Stell das Glas auf eine helle Holz- oder Steinoberfläche, hinter einem weißen Blatt Papier als Reflektor. Das reicht für professionell wirkende Bilder mit dem Smartphone.
Zeige den Honig fließend: ein Holzlöffel, aus dem Honig zieht, wirkt lebendiger als ein verschlossenes Glas. Zeige die Tracht, wenn möglich — ein Ast Akazie neben dem Glas, eine Wildblumenwiese im Hintergrund. Das schlägt generisches Honig-Stockfoto jedes Mal.
Format: Quadrat (1:1) funktioniert auf Etsy und Instagram. Weißer Hintergrund für Amazon und eBay ist Pflicht (Marketplace-Vorschrift). Auflösung mindestens 1000 × 1000 px.
Welches Etikett brauche ich für den Online-Versand?
Für den Versand gelten dieselben Pflichtangaben wie für jedes andere Honig-Glas — Online-Versand ändert die Kennzeichnungspflicht nicht. Du musst Bezeichnung, Nettofüllmenge, Mindesthaltbarkeitsdatum, Herkunftsland und Name sowie Anschrift des Lebensmittelunternehmers angeben.
Die genauen Pflichtangaben und was im Freitext erlaubt ist (z. B. Trachtbezeichnungen, Bio-Hinweise), kannst du schnell im Etikett-Tool von Hofwerk prüfen: label.hofwerk.at. Das führt dich schrittweise durch alle Angaben, ohne dass du die Verordnungen selbst lesen musst.
Zur Erinnerung: „Imker” als Titelbezeichnung, Trachtangaben wie „Rapshonig” oder „Blütenhonig” sowie Regionalhinweise folgen eigenen Regeln. Wer Falsches auf dem Etikett hat, riskiert Abmahnungen — gerade im Online-Handel, wo Mitbewerber systematisch prüfen.
Wie setze ich einen realistischen Onlinepreis?
Der Online-Preis muss höher liegen als dein Hofpreis, weil du Versand, Verpackung und Plattformkosten einpreisen musst. Eine einfache Formel: Herstellungskosten + Gemeinkosten + Gewinnaufschlag + Online-Aufschlag (Versand/Plattform).
Zum realistischen Kalkulieren hilft der Artikel Honig-Preis kalkulieren für Imker — dort findest du konkrete Rechenwege, wie du deinen Mindestpreis ermittelst.
Als Orientierung: Blütenhonig aus deutschem Anbau wird online aktuell zwischen 8 und 14 € je 500 g angeboten. Spezielle Sorten (Linden, Akazie, Buchweizen, Bio-zertifiziert) erzielen 12–20 € je 500 g. Preise darunter sind für einen Kleinimker kaum kostendeckend, sobald Versand einkalkuliert ist.
Wichtig: Schreibe den Versandkostenanteil nicht in den Produktpreis, wenn du dadurch teurer wirkst als Konkurrenten mit “zzgl. Versand”. Viele Plattformen zeigen Gesamtpreise — mach einen Test, welche Darstellung besser konvertiert. Mindestbestellwert oder “ab 2 Gläser versandkostenfrei” sind bewährte Wege, um den Versandkostenblock auf mehr Marge zu verteilen.